Aktuelles

 

 

Hier finden Sie regelmäßig aktuelle Tipps, wie Sie Ihr Leben und das Leben Ihrer Mitarbeiter/innen stressfreier gestalten, Change-Prozesse sicher steuern und in "verrückten" Zeiten klaren Kurs halten können

 

 

Mai 2021

 

Manipulation durchschauen und sich davor schützen (Teil 1)

Manipulation gibt es, seit es Menschen gibt. Schon kleine Kinder lernen, dass es manchmal einfacher zu sein scheint, jemanden „um den Finger zu wickeln“, als offen zu sagen: „Ich möchte...“

 

Foto von Kirsten S. Andrä

Das Gegenstück zu Manipulation ist also offene Kommunikation der eigenen Wünsche, Ziele oder Bedürfnisse. Dies fällt vielen Menschen schwer - aus verschiedenen Gründen: Zum einen macht man sich damit verletzlich, denn der Adressat ist frei, „nein“ zu sagen. Außerdem haben viele es einfach nicht gelernt, offen zu sich und den eigenen Bedürfnissen zu stehen. Beispielsweise weil ihnen beigebracht wurde, dies sei ein Zeichen von Egoismus. Drittens muss man seinen Wunsch im nächsten Schritt häufig mit überzeugenden Argumenten begründen, weil das Gegenüber eigene, vielleicht gegensätzliche, Interessen hat. Bertolt Brecht brachte die Schwierigkeit dabei humorvoll auf den Punkt: „Ein gutes Argument wirkt wundervoll, nur nicht auf den, der etwas hergeben soll.“


Foto von adege auf Pixabay

Nicht zuletzt fehlt Menschen, an die man ein Anliegen richtet, oft die Zeit, die Energie oder das Interesse am Austausch von Argumenten - sei es, weil sie überarbeitet, chronisch reizüberflutet oder bequem sind. Weil niemand sicher voraussehen kann, ob die angesprochene Person oder Gruppe ein offenes Ohr für Bitten und Argumente hat, diese nachvollziehen kann, bereit ist, sich überzeugen zu lassen und dann auch noch das gewünschte Verhalten zu zeigen, wird oft - bewusst oder unbewusst - manipuliert. Dies hat den zusätzlichen „Charme“, die eigenen Ziele für sich behalten zu können. Beispielsweise aus strategischen Gründen oder weil dem Manipulateur bewusst ist, dass seine Motive nicht durch und durch „koscher“ sind. Dies kann in Paaren, Familien und Freundschaften vorkommen, in Arbeitsteams, Gremien und Institutionen sowie in Politik, Kirche und Medien - einfach überall, wo Menschen sind.

Daraus ergeben sich eine Reihe von Fragen: Wie kann man manipulatives Verhalten oder manipulative Sprache entlarven? Was tun, wenn man feststellt, dass man einer Manipulation auf den Leim gegangen ist? Oder dass gerade jemand versucht, einen zu manipulieren? Wie kann man sich selbst vergewissern, ob man offen kommuniziert oder (vielleicht unbewusst) der Versuchung erliegt, manipulative Tricks anzuwenden?

 

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Um Manipulation zu erkennen, gibt es zwei Ansätze: Der eine richtet das Augenmerk auf die Information, die gesendet wird. Der andere auf sich selbst als Empfänger dieser Botschaft. Beginnen wir mit der Information. Beliebte sprachliche manipulative Stilmittel sind beispielsweise: 

  • Unterstellung z.B. „Wenn Du mich wirklich lieben würdest, dann würdest Du...“ oder „Wer einen anderen Standpunkt vertritt, kann sich mit der Materie noch nicht ernsthaft beschäftigt haben.“

  • Angstmacherei, Heraufbeschwören eines Horrorszenarios mit dem Ziel, Panik zu schüren

  • Ein schlechtes Gewissen vermitteln, z.B. wenn ein Kind zum Fischessen „ermuntert“ werden soll mit Worten wie: “Willst Du, dass der Fisch auf Deinem Teller umsonst gestorben ist?“

  • Die Gegenmeinung nicht widerlegen, sondern die Person(en), die sie vertritt bzw. vertreten, angreifen (z.B. pathologisieren, Andersdenkenden pauschal niedere Motive unterstellen etc.)

  • Etwas aus dem Zusammenhang reißen

  • Ständige Wiederholung: Das menschliche Gehirn ist geneigt, etwas oft Gehörtes oder Gelesenes für wahr zu halten, unabhängig von der Faktenlage.

  • Schmeichelei / „Above average effect“: Man hebt den Zuhörer oder die Leserin durch Lobhudelei aus der Masse des Durchschnitts heraus, um ihn oder sie empfänglich zu machen für die Aussage, die danach kommt. Denn die meisten Menschen können sich gegen Angriffe prima verteidigen - gegen Lob und Schmeichelei hingegen sind sie weitgehend machtlos.

  • Autoritäts-Trumpf z.B. „Der Chef ist auch der Meinung, dass...“, „Alle führenden Experten sind sich einig, ...“ oder „Komm erst mal in mein Alter!“

  • Die Sache nicht bei ihrem Namen nennen: So werden aus Kriegshandlungen beispielsweise „Operationen“, aus Grundrechten „neue Freiheiten“ oder aus einem Schlag ins Gesicht eine „ausgerutschte Hand“.

  • Probleme, Menschen oder Gruppen gegeneinander ausspielen, beispielsweise, indem man ein Leid mit einem (tatsächlich oder vermeintlich) größeren Leid vergleicht. Im nächsten Schritt wird dann versucht, Kritik an bestimmten Missständen oder Ungerechtigkeiten, die ersteres Leid verursachen oder begünstigen, auszuhebeln und mundtot zu machen. Beispiel: „Ja, du kannst jetzt nicht zu Schule gehen, aber in Afrika sehen viele Kinder ihr ganzes Leben lang keine Schule von innen.“

  • Framing, also der Deutungsrahmen, der einem Sachverhalt angelegt wird, um einen bestimmten Blickwinkel auf das Thema vorzugeben und eine gewünschte Wirkung beim Betrachter zu erzielen. Man könnte dies mit der Auswahl des Bilderrahmens vergleichen, der ein und dasselbe Gemälde völlig verschieden wirken lässt, je nachdem ob er schmal und schlicht gehalten, üppig dekoriert, kühl und sachlich, aus Holz oder Gold gefertigt ist. Ein Beispiel aus der Nachrichtenwelt: Eine Großdemonstration mit hunderttausenden Teilnehmer/innen verläuft weitgehend friedlich. Ein paar Dutzend Chaoten sind auch dabei, die Flaschen werfen und Polizisten beleidigen. Wenn sich die Berichterstattung nun auf diese kleine Minderheit fokussiert anstatt auf das Anliegen der friedlichen Mehrheit, ist dies ein besonders krasser Fall von Framing.

  • Die Lage als aussichtslos ausmalen und dann, im Moment höchster Verzweiflung, einen einzigen „rettenden Ausweg“ anbieten. Dies konnte man z.B. in dem Film „Das Leben der Anderen“ beim Verhör der jungen Schauspielerin sehen. 

Zu den nichtsprachlichen Mitteln der Manipulation gehört unter anderem:

  • Leidensmiene aufsetzen / „große Kulleraugen“ machen

  • Etwas mit düster-dramatischer Musik unterlegen, um den Sachverhalt künstlich zu dramatisieren oder mit einer, dem Ernst des Themas nicht angemessenen, z.B. karnevalistischen, Musik unterlegen, um es lächerlich zu machen

  • Künstliche Verknappung: Beispielsweise schmeckt ein Kuchen umso besser, je weniger davon gebacken wird.


Foto von Pexels auf Pixabay

Die zweite Möglichkeit, Manipulation aufzudecken, besteht darin, sich selbst quasi als „Resonanzkörper“ zu betrachten und an den eigenen Wahrnehmungen abzulesen, dass gerade ein Manipulationsversuch läuft. Dies setzt allerdings etwas (Selbst-) Erfahrung voraus. Anhaltspunkte für eine mögliche Manipulationsattacke sind beispielsweise: 

  • Verwirrung, Gefühl, sich „im falschen Film“ zu befinden

  • Eigenartige Körperempfindungen (z.B. „Watteartiges“ Gefühl im Kopf, Verlangsamung der Wahrnehmung wie in Zeitlupe, Beklemmung, flache Atmung etc.)

  • Man fühlt sich daran gehindert, zu sagen, was man denkt, fühlt oder will

  • Man könnte im Moment nicht sagen, wie es einem geht

  • Man fühlt sich „fremd“, isoliert oder so, als ob man sich gerade selbst von außen betrachtet

Leider sind dies keine eindeutigen Beweise, dass gerade manipuliert wird. Aber es sind gute Indizien dafür, dass es sich lohnt, die betreffende Information genau zu prüfen. Anfangs bemerkt man das „komische Gefühl“ erst mit etwas Abstand. Mit der Zeit setzt der „Riecher“ immer unmittelbarer ein. 

Bei länger andauernden Manipulationsversuchen kann es dazu kommen, dass man 

  • sich „benutzt“ fühlt und spürt, dass das eigene Selbstwertgefühl sinkt

  • nicht mehr nach den eigenen Werten handelt

  • eine Verunsicherung der eigenen Identität erlebt

  • eine Entfremdung in Beziehungen wahrnimmt

  • sich müde oder erschöpft fühlt

Was Sie tun können, wenn Sie mit obigen Tricks konfrontiert werden bzw. solche Anzeichen an sich wahrnehmen, erfahren Sie in Teil 2 dieser Artkelserie.

 

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April 2021

 

Stärkeres Selbstbewusstsein für mehr Resilienz

Wer sich selbst kennt und den eigenen Wert - unabhängig von Leistung oder Umständen - verinnerlicht hat, steht stabiler im Leben. Wie ein alter Baum, der tiefe und weite Wurzeln hat. Selbst Stürme, Dürreperioden und Erdbeben überdauert er.


Bild von jplenio auf Pixabay

Wie findet man zu einem solchen Selbstbewusstsein? Und wie können Sie ihre Mitarbeiter/innen in dieser Hinsicht stärken?

Es ist hilfreich, sich regelmäßig eine Zeit der Selbstreflexion zu gönnen und sich ein paar Fragen zu stellen. Als Ausgangspunkt eignet sich das Bild des Baumes sehr gut. Ein paar mögliche Fragen sind:

Was sind meine Wurzeln? In welchem Grund bin ich verankert? Was nährt mich? Was stärkt mir den Rücken (analog zum Stamm)? In welcher Situation habe ich Rückgrat gezeigt? Wodurch bleibe ich in Balance? Wem spende ich Schutz oder Schatten? Welche Früchte (Fähigkeiten, Fertigkeiten, Charakterstärken etc.) habe ich im Laufe meines Lebens entwickelt? Worin will ich weiter wachsen? Was sind meine Werte und Ziele? Um in der Baum-Analogie zu bleiben: Das Licht, zu dem hin ich mich ausrichte.

 

Bild von Larisa Koshkina auf Pixabay

Je mehr Sie sich mit Ihren Zielen und Idealen verbinden, desto stärker werden Sie. Je mehr sich ein Mensch mit seinem geistig-seelischen Wesenskern identifiziert statt (nur) mit dem Körper, desto freier und selbstbewusster wird dieser Mensch.

Als Chef/in können Sie die Baum-Analogie für Mitarbeitergespräche nutzen, um das Potenzial und die bereits vorhandenen Stärken des Teammitgliedes gemeinsam zu erarbeiten oder zu veranschaulichen. Sie können zum Beispiel einen Baum skizzieren und dazu sagen bzw. schreiben, in welcher Hinsicht die Mitarbeiterin eine Stütze für die Abteilung ist, wie sturmerprobt der Mitarbeiter sich erwiesen hat oder in welcher Art das Team insgesamt reichlich Früchte hervor gebracht hat im letzten Jahr und welche speziell auf diese/n Mitarbeiter/in zurück zu führen sind. Wertschätzendes Feedback und motivierende Ziele sind immer gut. Ganz besonders in herausfordernden Zeiten.

 

Bild von Hans Braxmeier auf Pixabay

 

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März 2021

 

Das Verbindende suchen


Foto von Free-Photos auf Pixabay

Der Riss quer durch unsere Gesellschaft schmerzt. Die Polarisierung bezüglich unserer „neuen Realität“ geht mitten durch Belegschaften und Teams, Freundeskreise und Familien.

Entscheidend ist dabei nicht, dass Menschen unterschiedliche Ansichten zum Thema haben, sondern dass durch Politik, Medien und die Gedankenlosigkeit vieler „Nachbeter“ ein Klima entstanden ist, in dem die andere Meinung nicht mehr toleriert sondern, mitsamt ihrem Vertreter, ausgegrenzt, verächtlich gemacht, als unmoralisch, dumm oder pathologisch abgestempelt wird.

Da der Mensch ein auf Gemeinschaft angelegtes Wesen ist, erzeugt die gesellschaftliche Spaltung Stress. Dieser äußert sich beispielsweise in Form von Schlafstörungen, Niedergeschlagenheit oder einer Verstärkung von ungesunden Verhaltensweisen wie Rauchen, Bewegungsunlust, übertriebener Bildschirmkonsum oder Ess-Attacken.

 

Foto von Klimkin auf Pixabay

Wie könnten Lösungen aussehen? Ein erster Schritt wäre, nach dem Verbindenden zu suchen, das die Menschen beider Lager eint. Denn der Mitbürger, die Nachbarin, der Kollege, die Bekannte, der Mitpassagier in der Bahn, die Demonstrantin oder Passantin auf der Straße sind in erster Linie Mitmenschen, nicht per se Gefährder.

Menschen sind in der Regel daran interessiert, dass ihre Umgebung sicher und friedlich ist, dass das Gemeinwesen funktioniert - und sie wollen selbst einen positiven Beitrag zum Gemeinwohl leisten. Zwar gibt es auch egoistische Züge im Menschen, aber das Interesse am guten Miteinander dominiert bei weitem - unabhängig von der politischen oder sonstigen Überzeugung.

Bürger/innen, die sich für die Maßnahmen aussprechen, haben vor allem die Gesundheit ihrer Mitmenschen im Blick. Jene, die sich dagegen aussprechen, die einzelne Maßnahmen oder die Art und Weise ihres Zustandekommens oder ihrer Durchsetzung kritisieren, haben vor allem die verfassungsgemäßen Grundrechte ihrer Mitmenschen im Blick. Beide wollen etwas Gutes.

Impfbefürworter wollen gesund bleiben, andere gesund erhalten und sehen das Corona-Virus als primäre Gefahr für die Gesundheit an. Gegner der aktuell angebotenen Impfungen wollen ebenfalls gesund bleiben, andere gesund erhalten und sehen die im Schnellverfahren entwickelten und produzierten Corona-Impfstoffe ohne Langzeittests und mit teils gravierenden Nebenwirkungen als primäre Gefahr für die Gesundheit an. Beide wollen etwas Gutes.

 

Foto von Frank Winkler auf Pixabay

Wer sich auf dieses Verbindende konzentriert, wird frei zum offenen und unvoreingenommenen Dialog mit allen. Er oder sie lernt, Menschen wieder als Mitmenschen wahrzunehmen, hinzuhören, Argumente auszutauschen und Andersdenkenden die Hand zu reichen. „Hart in der Sache, weich zu den Menschen“, lautet das Prinzip des Harvard-Konzepts. Man könnte auch sagen: „Klar in der Sache, respektvoll zu den Menschen.“ Dies sollte wieder den politischen und gesellschaftlichen Diskurs bestimmen.

Viel versprechende Ansätze gibt es bereits. Beispielsweise Gesprächsrunden auf youtube, in denen Vertreter beider Lager konstruktiv miteinander reden, ohne einander zu unterbrechen oder herabzuwürdigen. Außerdem kreative Initiativen wie beispielsweise die „Tanzdemos“ in Städten wie Bonn und Freiburg, deren Hauptaugenmerk darauf liegt, die Spaltung zwischen den Menschen zu überwinden. Jede/r ist hier eingeladen, auf die je eigene Weise die Gesellschaft positiv mit zu gestalten.

 

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Februar 2021 

 

Isolieren Sie sich nicht von anderen, sondern pflegen Sie Ihre Beziehungen!

Menschen sind Gemeinschaftswesen, auch und gerade in Krisenzeiten: Wir brauchen einander, um uns wohl und geborgen zu fühlen, um nicht ständig um uns selbst zu kreisen, sondern über uns hinaus wachsen zu können und um unseren geistigen Horizont zu weiten. 

 

Bild von Mabel Amber auf Pixabay

Einsame Menschen sind außerdem u.a. anfälliger für Depressionen, Angststörungen und Herzleiden. Auch das Immunsystem schwächelt häufig, wenn wir uns isoliert fühlen.

Warten Sie daher nicht, bis „die Pandemie vorbei ist“ oder Ihre Sorgen existenziell geworden sind, sondern pflegen Sie ab heute (wieder) die Beziehungen, die Ihnen am Herzen liegen.

Tun Sie dies auf jede erdenkliche (legale) Weise: Verabreden Sie sich so oft wie möglich auf einen Spaziergang mit einem Kollegen in der Mittagspause oder zum gemeinsamen Abendessen mit der besten Freundin. Laden Sie die nette Nachbarin auf einen Kaffee ein. Schreiben Sie mal wieder Briefe, in denen Sie Ihre persönlichen Gedanken zum Ausdruck bringen. Treffen Sie sich am Wochenende mit einer Freundin oder einem Freund, den Sie länger nicht gesehen haben, zum Wandern und Klönen oder mit Ihrem Bruder zum Ski-Langlauf. Schneeballschlacht nicht ausgeschlossen.

 

Bild von Jill Wellington auf Pixabay

Wenn Sie als Familie zusammen leben, reservieren Sie Zeiten für Spiele, gemeinsames Singen und Musizieren, zum Kuscheln oder gegenseitigen Massieren oder was Sie sonst emotional nährt, statt sich von TV-Serie zu Serie zu hangeln.

 

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Januar 2021

 

Geleitet von Angst oder Vertrauen?

Das Lied von Dietrich Bonhoeffer „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ wird von vielen Menschen seit Jahrzehnten zum Jahreswechsel gesungen:

„Von guten Mächten treu und still umgeben Behütet und getröstet wunderbar So will ich diese Tage mit euch leben Und mit euch gehen in ein neues Jahr“

Es entstand in der dunkelsten Zeit Deutschlands. Bonhoeffer saß nicht in einem warmen, geborgenen Nest, sondern im Gefängnis, als er diesen Text schrieb. Dass er dieses nicht überleben würde, konnte er bereits ahnen. Trotzdem findet er starke Worte des Vertrauens. Wie kommt er dazu?

 

Foto von RohmBernhard auf pixabay

Dietrich Bonhoeffer war ein tief gläubiger Mensch, voller Gottvertrauen. Und ein Mensch, der sich entschieden hatte, sich von diesem Vertrauen leiten zu lassen, nicht von der Angst. Er sah die Welt nicht durch eine rosarote Brille, aber er vertraute darauf, dass Veränderung möglich ist - und dass er selbst einen Beitrag zur Veränderung leisten kann.


Foto von Geralt auf pixabay

Menschen, ob gläubig oder nicht, haben immer wieder auch Ängste. Die Inhalte sind verschieden - der eine fürchtet sich vor dem Corona-Virus, der andere vor Maßnahmen wie Quarantäne oder einer eventuellen (indirekten) Impfpflicht. Wieder andere leiden aufgrund von Arbeitslosigkeit unter finanziellen Existenzängsten oder haben Angst vor dem Zusammenbruch des Wirtschaftssystems.

Auch die Intensität der Angst ist unterschiedlich. Das hängt beispielsweise davon ab, wie geborgen wir als Kind waren, wie stark wir uns mit unseren Ur-Ängsten bereits auseinander gesetzt (und angefreundet) haben und wie gut wir sozial eingebunden sind, also unsere Ängste mit anderen teilen und somit lindern können.

 

Foto von Michal Jarmoluk auf pixabay

Allen Menschen gemeinsam ist auch die Notwendigkeit, sich zu entscheiden: Will ich mich von meinen Ängsten oder meinem Vertrauen bzw. meinen Zielen leiten lassen? Das ist natürlich nicht immer eine bewusste Entscheidung. Aber bewusst oder unbewusst zieht uns entweder unser Ziel oder schiebt uns die Angst an jeder Wegkreuzung, bei jeder klitzekleinen Alltagsentscheidung. 


Foto von Geralt auf pixabay

Wage ich, zu helfen, oder gehe ich schnell weiter? Sage ich meine Meinung oder schlucke ich sie herunter? Esse ich die Pilze nachdem ich mich kundig gemacht habe, oder schmeiße ich sie trotzdem lieber weg? Und erst die ganz großen Entscheidungen: Trauen wir uns, ein Kind in diese Welt zu begleiten? Ziehen wir mit 50, 60 oder 70 Jahren noch einmal um? Ergreifen wir noch einmal einen neuen Beruf? Am Anfang eines neuen Jahres sich für das Vertrauen und gegen die Angst als treibende Kraft zu entscheiden, tut unendlich gut. Diese Entscheidung einzuüben und mit Leben zu füllen ist dann freilich eine Aufgabe für das ganze Jahr.  

 

Foto von Geralt auf pixabay

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Dezember 2020

 

Im Gespräch bleiben

Momentan erleben wir eine Erosion der Gesprächskultur. Eine tiefe Kluft tut sich auf zwischen Menschen unterschiedlicher Sichtweisen auf die „neue Realität“, in der wir leben. Daraus folgt eine erschreckende Sprachlosigkeit, die bis in Familien und Freundeskreise hinein ragt.

 

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Das einzige, was helfen kann, diese Stummheit zu überwinden, ist aktives Zuhören, offene Fragen stellen und der unvoreingenommene Austausch von Beobachtungen und Argumenten. Das ist nicht einfach. Aber es ist möglich, weil es sich um grundlegende menschliche Fähigkeiten und Bedürfnisse handelt: Miteinander reden, in Kontakt sein, gemeinsam mehr vom Ganzen verstehen.


Foto von sasint auf pixabay

Wichtig ist, sich selbst und dem anderen zuzutrauen: „Jeder Mensch kann denken!“. Dieses Denken gilt es, nicht an einzelne Experten abzugeben. Sinnvoller ist es, sich bei unterschiedlichen Fachleuten zu informieren, die Ergebnisse auf sich wirken zu lassen, auf Plausibilität zu prüfen, logische Schlussfolgerungen zu ziehen und mit denen anderer Menschen zu vergleichen. Dann immer wieder nachzuhaken und Ansichten, die den neuen Erkenntnissen nicht mehr standhalten, zu revidieren.

 

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Dieser Prozess kostet Zeit und Energie. Nicht jede/r hat nach Feierabend noch die Muße und Konzentrationsfähigkeit, sich mit medizinischen, gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Fragen zu beschäftigen. Das ist in Ordnung. Es geht nicht darum, sich zu überfordern, sondern vor allem mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, der eigenen Wahrnehmung zu trauen und miteinander im Gespräch zu bleiben. 

 

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November 2020 

 

In Bewegung bleiben

Fitnessstudios und Sportvereine müssen wieder schließen. Um nicht einzurosten, um Stress abzuschütteln sowie Herz und Kreislauf gesund zu erhalten (denn an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, nicht zuletzt aufgrund von Bewegungsmangel, sterben hierzulande mit Abstand die meisten Menschen) ist jetzt Erfindungsreichtum und eine Prise Wetterfestigkeit gefragt. 

 

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Glücklich darf sich schätzen, wer ein attraktives Stück Natur in der Nähe hat, einen Wald, die Berge oder wenigstens einen Park. Lassen Sie sich von typischem Novemberwetter nicht abhalten, die Laufschuhe oder Walkingstöcke zu schnappen, sich auf´s Fahrrad zu schwingen, einen Trimm-Dich-Pfad zu erobern oder das Trampolin der Kinder auszuleihen und zur Lieblingsmusik darauf nach Herzenslust zu hüpfen. Das geht übrigens wunderbar auf einem geräumigen Balkon, wie ich selbst erprobt habe.

Nachbarn von uns haben sich sogar im Hinterhof ein richtiges Fitnesstudio eingerichtet, mit selbst gebauten Hanteln, einer zum Reck umfunktionierten Teppichstange, einer aus einem Brett und Europaletten gezimmerten schiefen Ebene für Situps usw. Wem dies zu rustikal ist, mag vielleicht lieber im Wohnzimmer ein paar Möbel zur Seite schieben, sich von youtube ein Gymnastik- oder Yogaprogramm herunterladen und mitmachen. 

 

Foto von StockSnap auf pixabay

Ganz oben steht für mich die Freude an der Bewegung - und, ja, das ist schwer, wenn man als Teamsportler plötzlich allein Sport treiben soll, wenn der Raum beengt und das Wetter mies ist. Da gilt es, nichts zu beschönigen und mit dem inneren Schweinehund freundlich umzugehen. Er kann nichts dafür, er ist ein Rudeltier! Mir hilft es, mich zum Sport zu verabreden, selbst wenn es nur virtuell ist - und auch einmal fünfe gerade sein zu lassen.

 

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September/Oktober 2020

 

Tschüß Kopfschmerz! - Ein „Kopf-frei-Coaching“ in 12 Schritten
von Coach Kirsten S. Andrä anlässlich des Europäischen Kopfschmerztages am 12.9.20

 

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Wer keine Kopfschmerzen kennt, kann sich glücklich schätzen. Rund sieben von zehn Menschen leiden regelmäßig darunter. Obwohl Ärzte warnen, dass Medikamente gegen den Schmerz an maximal 8 bis 10 Tagen pro Monat und höchstens drei Tage hintereinander eingenommen werden sollten, weil sie sonst selbst zum Auslöser für Kopfschmerzen werden können, wissen sich viele nicht anders zu helfen, als mit dem täglichen Griff zur Pillenbox.

Andere haben schon viel ausprobiert, aber trotzdem noch häufig Kopfschmerzen, obwohl der Arzt nichts finden konnte. Coach Kirsten Andrä möchte alle Kopfschmerzgeplagten ermutigen, nicht aufzugeben, sondern ihren persönlichen Erfolgsschlüssel zu suchen, bis sie ihn gefunden haben, denn:

„Kopfschmerz ist sehr individuell. Was dem einen prima hilft, ist für die andere quasi Gift. Beispielsweise Kaffee. Außerdem sind oft mehrere Faktoren an der Entstehung beteiligt. Wenn man drei davon ausgeschaltet hat, kann es sein, dass die übrigen zwei trotzdem noch regelmäßig Schmerzattacken auslösen. Es braucht also etwas Geduld.“

Als Stressmanagement-Coach weiß Kirsten S. Andrä, wie einflussreich der Lebensstil ist - und wie schwierig es ist, ihn umfassend und dauerhaft zu verändern. „Vieles gleichzeitig zu ändern, funktioniert meistens nicht. Denn der Berufsalltag ist ohnehin fordernd genug. Sinnvoller ist es, eins nach dem anderen anzugehen. Wenn Schritt eins an den meisten Tagen klappt, kann Schritt zwei folgen. Beginnen Sie mit dem für Sie intuitiv erfolgversprechendsten Tipp oder der leichtesten Veränderung. Der Erfolg verleiht Schwung für die nächste Etappe.“

1. Bauen Sie Stress ab. Stress verursacht oft Spannungen im Schulter-Nacken-Bereich, die bis in den Kopf ausstrahlen. Auch andere Kopfschmerztrigger, wie z.B. ein hormonelles Ungleichgewicht, Entzündungsreaktionen oder hoher Blutdruck werden oft durch Stress begünstigt bzw. verstärkt.

Das biologisch beste Mittel zum Stressabbau ist Bewegung: Beim Laufen, Radfahren oder Tanzen werden Stresshormone abgebaut. Wenn Sie Spaß dabei haben, gibt es noch gratis Glückshormone dazu. Diese senken wiederum das Schmerzempfinden bzw. die Schmerzbereitschaft. Wichtig ist, dass kein sportlicher Leistungsdruck entsteht, der neuen Stress produziert. Sehr gut ist auch simples Spazierengehen, u.a. weil die rhythmische Bewegung das Hirnwasser sanft und gleichmäßig bewegt. Dies kann sowohl vorbeugend als auch bei akuten Kopfschmerzen lindernd wirken. Auch Tai Chi, Qi Gong, Yoga, Meditation oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobson sind Beispiele für effektive Wege zum Stressabbau.


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2. Kümmern Sie sich um die Ursachen: Überhöhte Erwartungen an sich selbst, Sorgen und Konflikte können chronischen Stress verursachen. Sich diesen Themen zu stellen und bei Bedarf Hilfe zu suchen, kann den Kopf befreien.

3. Gehen Sie in die Natur. Studien zeigen, dass Bewegung im Wald Körper und Psyche besser entspannt als in geschlossenen Räumen. Die natürliche Umgebung, sauerstoffreiche Luft, Farben und ätherischen Öle der Bäume (Terpene) erfrischen perfekt.

4. Trinken Sie genug Wasser. Das Gehirn braucht über den Tag verteilt ausreichend Flüssigkeit. Nach Feierabend das Versäumte nachzuholen funktioniert nur sehr bedingt. Vor allem eignen sich alkoholische Getränke wie Bier nicht dazu.

5. Ernähren Sie sich bewusst: Lebensmittelzusätze wie Glutamat, Farb- oder Konservierungs-
stoffe
können ebenso Kopfschmerzen auslösen wie von Natur aus histaminreiche Lebensmittel, wie z.B. reifer Käse oder Rotwein. Wer seine Mahlzeiten frisch zubereitet, vermeidet unnütze Zusatzstoffe. Auch im Restaurant kann man sich erkundigen, ob z.B. Glutamat zum Einsatz kommt - und dieses auch oft explizit abbestellen.

6. Kaffee wirkt paradox: Er kann bei manchen Menschen schon in relativ geringen Dosen zu einer körperlichen Abhängigkeit führen. Dies wurde in Einzelfällen bereits bei einer Tasse Kaffee täglich beobachtet: Bleibt das gewohnte Koffein plötzlich aus, stellen sich nach durchschnittlich 24 Stunden Kopfschmerzen ein, die als Entzugsreaktion verstanden werden können. Die gute Nachricht: Ein Verzicht auf koffeinhaltigen Kaffee über einige Monate führt dazu, dass die betroffene Person wieder eine gelegentliche Tasse Kaffee genießen kann, ohne am nächsten Tag Kopfschmerzen zu bekommen. Noch erfreulicher ist, dass Kaffee manchen Menschen augenblicklich hilft, eine Kopfschmerzattacke zu vertreiben. Besonders gut funktioniert dies offenbar bei Menschen, die nur selten Kaffee trinken.

7. Auch ein schneller, starker Blutzuckeranstieg mit anschließendem raschem Abfall löst bei vielen Menschen Kopfschmerzen aus. Vermeiden Sie also das zweite Stück Kuchen und geben Sie generell komplexen Kohlenhydraten - also Gemüse, Vollkornprodukten und Obst - den Vorzug vor Weißmehlprodukten und Süßigkeiten. Selbst gemachtes Dessert oder Gebäck kann ein guter Kompromiss sein, da Sie Menge und Art des Zuckers bestimmen können. Birkenzucker (Xylit) und Kokosblütenzucker werden beispielsweise günstiger verstoffwechselt als üblicher Haushaltszucker.

8. Achten Sie auf ausreichend Magnesium. Dieses Mineral ist an vielen Stoffwechselprozessen maßgeblich beteiligt, sorgt u.a. für eine normale Muskelfunktion, entspannt und beugt so, neben Muskelkrämpfen, auch Kopfschmerzen und Migräne vor. Obwohl in vielen Lebensmitteln Magnesium steckt, wird der Bedarf oft nicht ausreichend gedeckt. Die Gründe sind vielfältig: Überdüngte Böden bringen magnesiumarme Pflanzen hervor, Lagerung und industrielle Verarbeitung entziehen ihnen zusätzlich Magnesium. Einseitige Ernährung, schlechte Aufnahme aufgrund von Darmproblemen oder erhöhter Bedarf durch Stress, Sport, starkes Schwitzen, Medikamente, Wachstum oder Stillzeit sind weitere Faktoren. Magnesiumpräparate versprechen oft mehr, als sie halten, weil die meisten anorganischen Magnesiumverbindungen nur zu einem relativ geringen Teil vom Körper verwertet werden können. Besser verwertbar sind organische Verbindungen wie z.B. Magnesiumcitrat - auf leeren Magen und mit mindestens einer halben Stunde Abstand zu koffeinhaltigen Getränken. Wer Medikamente, Zink- oder Eisenpräparate braucht, sollte auch diese zeitversetzt einnehmen.

9. Weil speziell Migräne durch Entzündungsprozesse hervorgerufen werden kann, sind fette Seefische wie Lachs, Makrele, Thunfisch sowie Lein- oder Rapsöl, weil reich an entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren, natürliche Heilmittel. Dem gegenüber sollten entzündungsfördernde Lebensmittel, wie z.B. rotes Fleisch, mit Vorsicht genossen werden.

 

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10. Schlaf hat ebenfalls einen deutlichen Einfluss: Zu wenig, zu unregelmäßig, schlechte Schlafqualität, manchmal auch ein Zuviel an Schlaf kann Kopfschmerzen auslösen. Versuchen Sie also, einen für Sie passenden Schlafrhythmus zu finden und zu halten. Eine schöne Schlafumgebung, bequeme Matratze, ein ergonomisches Kopfkissen und reichlich frische Luft können helfen, die Nacht erholsam zu gestalten.

11. Trainieren Sie Ihre Gefäße regelmäßig mit Kneippgüssen, also warmen und kalten Wechselduschen. Beginnen Sie mit dem rechten Bein, dann das linke, gefolgt von rechtem und linkem Arm. Mutige beziehen Rumpf und Nacken abschließend mit ein. Auch bei akutem Kopfschmerz kann der Kältereiz eines nassen Waschlappens auf der Stirn oder im Nacken wohltuend wirken.

12. Ergonomie am Arbeitsplatz spielt ebenfalls eine große Rolle: Zu langes Stillsitzen ohne sich einmal zu strecken oder aufzustehen führt ebenso zu Verspannungen im Schulter-Nacken-Bereich wie eine einseitige Sitzhaltung, beispielsweise immer auf eine Seite aufgestützt, oder der stets zwischen Schulter und Kinn geklemmte Telefonhörer. Zu nahe am Monitor sitzen, ein flimmernder Bildschirm oder zu wenig PC-Pausen überanstrengen die Augen, was ebenfalls Kopfschmerzen auslösen kann. Augengymnastik kann ebenso helfen, wie ab und zu einfach für einen Moment die Augen zu schließen.

 

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Viel Erfolg!

 

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Juli/August 2020

 

„Social Distancing“ ist Stress-Faktor Nummer 1

Eine im Juli veröffentlichte, repräsentative Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse identifiziert den fehlenden Kontakt zu Familie und Freunden als mit Abstand größten Stressfaktor während der Corona-Zeit.


Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Mit 80 % Zustimmung liegt dieser weit vor Platz zwei, der Sorge um eine mögliche Corona-Erkrankung von Angehörigen (57 %) oder der Angst um einen Zusammenbruch der Wirtschaft (50%). Befragt wurden tausend Erwachsene zwischen dem 13. und 26. Mai 2020 in Deutschland.

Soziale Distanz ist nicht nur ein subjektiver Stressfaktor: Eine ganze Reihe wissenschaftlicher Studien zeigen ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall sowie für eine erhöhte Sterblichkeit im Alter durch soziale Isolation.

Viele Menschen überbrücken die soziale Distanz mittels Telefon, Videochat o.ä., wenn sie ihre Lieben nicht persönlich sehen können. Diese virtuellen Begegnungen sind meist besser als nichts. Doch es besteht ein qualitativer Unterschied, ob man einer nahestehenden Person in die Augen schauen, einander spüren und feinste nonverbale Reaktionen wahrnehmen kann, oder ob das Gespräch auf die Inhaltsebene reduziert ist. Vertrauen und tiefe Verbundenheit werden genährt vom persönlichen Kontakt.

 

Bild von Cheryl Holt auf Pixabay

Solche Nahrung bietet auch das gemeinsame Tun: Zusammen kochen und essen, Sport treiben, singen, tanzen, meditieren, renovieren oder faulenzen. Mit jedem Menschen sind solche gemeinsames Erlebnisse anders. Das Individuum wird spürbarer als am Smartphone. Die gemeinsam kreierte, unverwechselbare Atmosphäre schafft ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Auch die Freude über etwas gemeinsam Erschaffenes - und sei es einfach ein gelungenes Abendessen - verbindet.

Besonders einschneidend ist es, wenn Kinder isoliert werden. Sie leiden am meisten darunter, ihre Freunde, Großeltern oder andere für sie wichtige Bezugspersonen nicht sehen zu können. Extrem wird es, wenn dies sogar die Kernfamilie, also Eltern und Geschwister, betrifft. Es ist daher nicht hinnehmbar, wenn Behörden verfügen, (kleine) Kinder in Quarantäne innerhalb der Familie zu isolieren, wie in mindestens zwei Landkreisen kürzlich geschehen.

 

Bild von Cheryl Holt auf Pixabay

Wo staatliche Maßnahmen in den allerpersönlichsten Bereich menschlicher Beziehungen eingreifen, sei es in die liebevolle Betreuung der eigenen Kinder oder die Begleitung sterbender Angehöriger, ist Eigensinn angebracht. Hier sollte jeder - spätestens - auf das eigene Herz und den eigenen Verstand hören. Wer seinem Gewissen treu bleibt, hat zwar im ersten Moment manchmal noch mehr Stress, lebt langfristig aber zufriedener und - zumindest in einer Demokratie - gesünder.

 

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Juni 2020 

 

Persönlichkeitsentwicklung statt pausenloser Selbstoptimierung 

Neulich machte eine E-Mail die Runde, mit der Nachricht, dass im Sommer der Intelligenzquotient (IQ) um bis zu 20 Punkte sinken könne. Nicht wegen der das Gehirn träge machenden Hitze, sondern wegen des selbst gewählten geistigen Stillstands. Die meisten Menschen neigen nun einmal im Sommerurlaub zu süßem geistigem Nichtstun am Strand, in den Bergen oder im eigenen Garten. Das kognitive Tief nach dieser Auszeit könne sogar bis zu vier Wochen anhalten, mahnt der Absender. Daher komme auch das allseits bekannte Gefühl der Überforderung in der ersten Zeit nach dem Urlaub. Mit nur 15 Minutem gezieltem Gehirn-Training pro Tag könne man diese unheilvolle Entwicklung glücklicherweise aufhalten. Diese Mail hatte natürlich ein Ziel: Abos für ein Gehirntraining per App zu verkaufen.

Ihr Inhalt ist symptomatisch für unsere Zeit: Wir hören und lesen überall, dass wir uns rund um die Uhr selbst optimieren sollen, am besten 365 Tage im Jahr: Täglich Gymnastik gegen Krähenfüße und Cellulitis, tägliche Meditation für die perfekte Ausgeglichenheit auch in Stresszeiten, wenn Homeoffice, Homeschooling und Homecooking zusammen treffen, täglich die Nachrichten verfolgen, um die aktuellen „Fallzahlen“ und Empfehlungen zu kennen und zu beherzigen, täglich „Resilienz“, also mentale Stärke üben, wenn die „Maske“ beim Einkaufen oder in Bus und Bahn das Atmen erschwert, täglich gut aussehen, auch wenn der Friseur über Wochen geschlossen hat und danach wochenlang, zu den für Berufstätige typischen Zeiten, ausgebucht ist, immer gut gelaunt und natürlich auch geistig fit sein und daran auch im Urlaub täglich arbeiten. Wem wird da nicht schwindeling?

 

 

Vor allem aber: Wem nützt diese permanente Einflüsterung lückenloser Selbstoptimierung wirklich? Und worin unterscheidet sich gesunde Persönlichkeitsentwicklung von ungesunder Selbstoptimierung? Kurz zusammen gefasst: Persönlichkeitsentwicklung ist ein natürlicher, freiwilliger und selbstgesteuerter Prozess. Selbstoptimierung hingegen ist ein unnatürlicher, getriebener, außengesteuerter Prozess. Beides ist nicht immer auf den ersten Blick leicht zu unterscheiden. Denn viele Menschen haben schon früh die Lust am Lernen, die Neugierde auf Entwicklung und den Kontakt zu ihrer eigenen Persönlichkeit verloren. Es wurde ihnen oft bereits als Kind abtrainiert. Deshalb geraten sie als Erwachsene so leicht in die Selbstoptimierungs-Falle. Der erst Schritt aus dieser heraus ist, sich eine Auszeit zu gönnen und bewusst mit sich selbst Kontakt aufzunehmen. Dafür eignet sich der Urlaub perfekt. Folgende Fragen können helfen, sich selbst auf die Spur zu kommen: „Wer bin ich, wenn ich einmal nichts tue?“, „Was sind meine Grundbedürfnisse?“, „Welche davon wurden in letzter Zeit (nicht) erfüllt?“, „Was kann ich tun, um sie künftig zu erfüllen?“, „Mit wem möchte ich künftig mehr Kontakt pflegen?“, „Was sind meine Ziele?“, „Was will ich lernen?“, „Wer will ich in zehn Jahren / am Ende meines Lebens sein?“, „Was sind die logischen Schritte hin zu meiner Wunschpersönlichkeit?“, „Wer oder was kann mich auf meinem Weg dorthin unterstützen?“, „Wem kann ich selbst hilfreich sein?“

Wer seine Ziele geklärt hat, ist mit Freude auf dem Weg. Das bedeutet nicht, dass dieser Weg immer glatt ist - er kann durchaus steinig sein. Nicht jeden Tag ist es ein Genuss, sich in der selbst gewählten Sache (Aufgabe, Disziplin) zu üben. Aber wer bewusst und freiwillig daran geht und nicht als Getriebener eines von außen, beispielsweise durch de Medien, vermittelten Ideals, hat mehr Freude und auch mehr Erfolg. Vor allem aber ist er oder sie frei. Beispielsweise, bei Bedarf den Kurs zu korrigieren oder auch einmal eine Pause zu machen. Im Kontakt mit sich selbst entsteht eine Haltung der Selbstfürsorge, des Wohlwollens für sich selbst: Man achtet auf das richtige Proviant, lebt so gut wie möglich im Einklang mit dem eigenen Rhythmus, gönnt sich Ruhezeiten und Besinnung, übernimmt Verantwortung für sich selbst und andere, lässt sich wichtige Sozialkontakte nicht willkürlich beschneiden, steht gelassen zu seinen Stärken und Schwächen. Peitsche und Sporen werden ersetzt durch den Blick auf das verlockende Ziel und die Weite des Horizonts.

 

 

 

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Mai 2020 

 

Menschen brauchen Menschen aus Fleisch und Blut 

Ein Plädoyer für den persönlichen Kontakt in Zeiten der Mega-Digitalisierung in Arbeitswelt und Fortbildung

„Alles wirkliche Leben ist Begegnung“ - Dieser Satz des jüdischen Philosophen Martin Buber klingt wie ein aktueller Ruf in Richtung unserer Chefetagen, Personalabteilungen und Unternehmensberatungen. Dort müht man sich aktuell redlich, die Folgen des Lockdowns in den Griff zu bekommen: Erfahrungen der Mitarbeiter/innen werden so gut wie möglich eingeholt und ausgewertet. Vor allem aber muss der entstandene finanzielle Schaden irgendwie aufgefangen oder abgemildert werden, meist durch Investitionsstopp, Aussetzen aller nicht gesetzlich vorgeschriebenen Fortbildungen, Verlängerung der Kurzarbeit oder Stellenabbau. Nicht selten muss die verbleibende Kernmannschaft ein deutlich erhöhtes Pensum bewältigen.

Viele Unternehmen versuchen naheliegenderweise auch, die Abläufe möglichst so umzugestalten, dass künftige, ähnliche Krisen sie nicht mehr so hart treffen können. Schnell sind dabei auch Überlegungen im Gespräch, das Homeoffice von der Ausnahme zur Regel zu machen, Weiterbildungen vermehrt online anzubieten und Präsenzveranstaltungen so gut es geht abzubauen.

So verständlich dies ist: Es wird dem Wesen der meisten Menschen nicht gerecht. Natürlich lassen sich Dienstreisen um den halben Erdball häufig sinnvoll durch Videokonferenzen ersetzen. Auch das Homeoffice hat, gezielt und dosiert eingesetzt, seine Berechtigung. Schließlich bietet es in manchen Fällen überhaupt erst die Möglichkeit, ungestört über einen längeren Zeitraum an einer schwierigen Aufgabe zu arbeiten. Auch Online-Seminare können, wenn es um reine Wissensvermittlung geht, sicher für manche Lerntypen gute Dienste leisten. Aber das war es dann auch schon.

 

 

Menschen brauchen den Kontakt zu Menschen aus Fleisch und Blut, um motiviert zu sein, sich inspirieren zu lassen, Sinn und Zusammenhalt zu empfinden, sich wertgeschätzt zu fühlen, sich mit der Arbeit und dem Unternehmen zu identifizieren, ihre Stärken zu entwickeln und langfristig gesund und leistungsfähig zu bleiben. Dieser Kontakt schließt alle Sinne ein: Den gemeinsam genossenen Kaffeedurft ebenso wie den Händedruck oder das Schulterklopfen, den Blick in vertraute Augen und den Klang der Stimme oder das gemeinsam eingenommene Mahl in der Kantine oder beim Mittagstisch um die Ecke.

Befragte Schüler/innen sagten denn auch ganz überwiegend deutlich, dass sie während des Lockdowns, nach anfänglichem Feriengefühl, die Schule und dort vor allem den persönlichen Kontakt zu ihren Mitschüler/innen und meist auch den Lehrer/innen vermisst oder sehr vermisst haben. Auch Erwachsene, die das Homeoffice in den ersten zwei Wochen noch genossen haben, weil sie weder unter beengten Verhältnissen, noch unter Doppelbelastungen wie parallelem Hausunterricht litten, merkten überwiegend nach ein paar Wochen, dass ihnen etwas Wichtiges fehlte.

Dies sind wichtige Erkenntnisse, die bei der Planung und Neuausrichtung von Arbeitsprozessen unbedingt berücksichtigt werden sollten. Nicht nur unter Effizienzaspekten, sondern auch unter dem Gesichtspunkt der psychischen Gesundheit von Mitarbeiter/innen. Wer sich einmal fragt, bei welchem Lehrer, bei welcher Professorin oder welchem Ausbilder er am meisten gelernt hat, wird vermutlich zu dem Schluss kommen, dass dies auch oder gar in erster Linie mit der Persönlichkeit dieser Lehrkraft zu tun hatte: Es war jemand, der die Schüler, Azubis oder Studentinnen gemocht, ihre Stärken erkannt, sie individuell gefördert, sich für ihre Ansichten interessiert und Humor gezeigt hat. Jemand, der wirklich auf sein Gegenüber eingeht, bei aller professionellen Distanz auch nahbar und authentisch ist, den Unterrichtsstoff nicht nur vorträgt, sondern verkörpert - solche Lehrer und Dozentinnen sind durch kein online-Seminar erstzbar.

 

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April 2020 

 

Immunstärkung für Profis 

1. Füße warm halten. Außerdem individuelle Kälte-Schwachstellen wie z.B. den Hals, die Nierengegend oder den Kopf immer schön vor Kälte oder Zugluft schützen, auch wenn die Frühlingssonne bereits zu leichter Kleidung verführt.

2. Zuckerkonsum reduzieren: Es gibt Indizien dafür, dass größere Mengen isolierter Zucker, z.B. in Form von gesüßten Getränken, die Immunantwort kurzfristig für einige Stunden deutlich herabsetzt. Eine Studie spricht dabei sogar von einer Absenkung um 50 Prozent. Langfristig schadet zu viel Zucker, ebenso wie Weißmehl, dem Darm. Da im Darm ein großer Teil des Immunsystems sitzt, lohnt es sich in jedem Fall, ein vernünftiges, möglichst geringes Zucker-Maß zu finden. Meist gelingt eine schrittweise Umstellung am besten.

3. Schleimhäute pflegen: Die Schleimhäute, zum Beispiel in der Nase, sind eine wichtige natürliche Barriere gegen Eindringlinge wie Viren. Wenn sie austrocknen, können sie diese Funktion kaum mehr erfüllen. Deshalb ist man in trockener Heizungsluft schnell „erkältet“. Die Lösung: Schleimhäute feucht halten durch Bewegung an der frischen Luft, Dampfbäder und Nasenspülungen mit salzhaltigem Wasser. Die Sole desinfiziert zusätzlich. Auch der Rachen kann durch Gurgeln mit Salzwasser oder abgekühltem Salbeitee regelmäßig desinfiziert werden. Da Tröpfcheninfektion auch über die Augenschleimhäute mögich ist, empfiehlt es sich, auch die Augen zu spülen. Dafür nimmt man am besten steriles Wasser. Dies gibt es in der Apotheke oder man kocht Leitungswasser ab und lässt es vor Gebrauch vollständig abkühlen. Wenn es schnell gehen soll und gerade kein steriles Wasser zu Hand ist, geht hierzulande aber auch Wasser direkt aus der Leitung. Dies lässt man sich vom Augenwinkel aus über das Auge rinnen. Natürlich sollte der Wasserdruck dabei gering sein. Achten Sie bitte auch darauf, die Umgebung des Auges vorab zu reinigen, damit nicht Keime oder Viren in das Auge hinein gespült werden.

 

 

4. Öl ziehen: In Russland, dem Kaukasus und Indien pflegen Menschen traditionell ihren Mundraum mit dieser Methode, die auch Öl kauen oder Öl saugen genannt wird. Dabei wird morgens ein Eßlöffel hochwertiges Pflanzenöl, beispielsweise Sonnenblumen-, Sesam- oder Kokosöl, zehn bis zwanzig Minuten lang im Mund bewegt. Das Öl nimmt Stoffwechselprodukte und Gifte auf, die über Nacht freigesetzt wurden und bindet sie. Indem man diese mit dem Öl ausspuckt, reinigt man den Körper und entlastet das Immunsystem. Ausserdem wird der Lymphfluss durch die Kaubewegungen angeregt, was ebenfalls die Ausscheidung unerwünschter Stoffe begünstigt.

5. Die eigenen Emotionen steuern. Gefühle wie extreme Wut, tiefe Traurigkeit oder Ohnmachtsgefühle können das Immunsystem außer Gefecht setzen, wenn sie länger andauern. Deshalb ist es ratsam, solche Gefühle ernst zu nehmen, sie nicht zu unterdrücken, aber sich ihnen auch nicht einfach hinzugeben. Besser ist es, sie aktiv zu beobachten und sich damit auseinander zu setzen. Dies kann z.B. durch Gespräche, Tagebuch schreiben oder körperbasierte Methoden wie Somatic Experiencing (SE) oder Emotional Freedom Technique (EFT), idealerweise unter fachkundiger Anleitung, geschehen. Auch Meditation ist (quasi nebenbei) ein sehr hilfreiches Mittel zur Emotionsregulation. Sie bewirkt unter anderem, dass das Alarmzentrum im Gehirn (Amygdala) weniger aktiv ist.

 

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März 2020 

 

5 Tipps für starke Abwehrkräfte gegen Corona und Co 

In Zeiten von Corona ist neben Händehygiene und Abstand zu Kranken vor allem ein starkes Immunsystem gefragt. Dies ist sowohl individuell als auch altersabhängig - und enorm beeinflussbar durch das persönliche Verhalten. Hier einige Tipps zur Stärkung des Immunsystems:

1) Nicht (mehr) rauchen: Denn der Körper kann sich recht schnell von den ärgsten akuten Schäden an Schleimhäuten, Bronchien und Immunzellen erholen. Bei Rauchern arbeiten vor allem bestimmte weiße Blutkörperchen, die so genannten „Neutrophilen“ schlechter als bei Nichtrauchern. Diese sind dafür zuständig, Bakterien aufzuspüren und zu zerstören. Daher haben Raucher ein größeres Risiko, bei einer Virusinfektion eine zusätzliche bakterielle und entzündliche Erkrankung zu entwickeln. Wenn sie sich mit dem Corona-Virus infizieren, ist ihr Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf erhöht. Die gute Nachricht: Neutrophile haben eine Lebensdauer von nur 1-4 Tagen und werden ständig im Knochenmark neu gebildet. Nach 5 Tagen ohne Glimmstängel haben Sie also frische, topfitte Neutrophile, die voller Tatendrang ans Werk gehen.

2) Genug schlafen: Denn im Schlaf regeneriert sich der Körper allgemein und das Immunsystem im Speziellen. Eine Studie aus Kalifornien konnte zeigen, dass das Risiko, sich eine Virusinfektion zu holen, viermal so hoch ist, wenn man eine Woche lang durchschnittlich weniger als sechs Stunden pro Nacht geschlafen hat, als dies ohne Schlafmangel der Fall wäre. Das Schlafbedürfnis ist allerdings individuell verschieden - nicht wenige Menschen brauchen 8 Stunden und Einzelne noch mehr, um fit und widerstandsfähig zu bleiben. Viele Menschen haben im Moment weniger Termine und dadurch mehr Zeit zum Schlafen als sonst. Warum also diese Chance nicht nutzen?

 

 

3) Vitaminreich essen: Viel frisches Obst und Gemüse ist das A und O. Besonders immunstärkend sind z.B. Brokkoli, dunkle Beeren, Knoblauch und Ingwer, weil sie reichlich sekundäre Pflanzenstoffe enthalten, Karotten (Vitamin A), grünes Gemüse (Vitamin B) Zitrusfrüchte, Paprika (Vitamin C), fetter Seefisch wie Lachs oder Makrele (Vitamin D), Weizenkeimöl, Avocado, Sonnenblumenkerne (Vitamin E), Hülsenfrüchte (Zink), Paranüsse (Selen), Weizenkleie, Kürbiskerne, Sesam, Pfifferlinge, Rote Beete oder Spinat (Eisen), um nur eine Auswahl zu nennen. Bunt, frisch zubereitet, schonend gerart oder roh und wenn möglich regional bringen sie besonders gesunden Genuss auf den Teller.

4) Sonne tanken: Das Sonnenvitamin D ist gut für das Immunsystem. Durch die Nahrung allein schaffen wir es normalerweise nicht, den Bedarf zu decken. Daher lohnt es sich, mittags die Frühlingssonne auf die bloße Haut scheinen zu lassen, auch wenn die Vitamin-D-Ausbeute im Frühjahr noch recht gering ist. Besonders hellhäutige Menschen, die im Sommer ihrer Haut zuliebe die direkte Sonne meiden, aber auch Büroarbeiter und andere, die sich wenig im Freien aufhalten, können außerdem von Vitamin D3 in Form von Nahrungsergänzungsmitteln profitieren. Diese kann man sogar selbst herstellen, indem man Speisepilze im Sommer auf dem Balkon trocknet. Dabei sollten die Lamellen nach oben zeigen. Die Pilze können so reichlich Vitamin D produzieren und speichern. Im Winter können wir damit Speisen anreichern und unseren Vitamin D-Spiegel auf einem guten Level halten.

5) Stress abbauen: Bewegung an der frischen Luft, Lachen, Entspannungsübungen, beispielsweise aus dem Yoga, sowie Meditieren eignet sich dafür besonders gut. Stresshormone wie Cortisol hemmen das Immunsystem. Im Umkehrschluss unterstützt alles, was Stress abbaut, das Immunsytem. Dass dies für Sport und Bewegung gilt, weiss man schon lange. Für das Lachen und die Meditation haben Forscher nun ebenfalls stichhaltige Hinweise gefunden, dass sie die Abwehrkräfte stimulieren. Zum Beispiel erhöht sich beim Lachen die Zahl der „Killerzellen“ und der Antikörper, beides Helfertruppen des Immunsystems. Gerade in Zeiten der körperlichen Distanzierung kann es hilfreich sein, zum Beispiel am Telefon auch mal über etwas Lustiges zu sprechen und zusammen zu lachen. Ebenso förderlich ist es, mit sich selbst tiefer in Kontakt zu kommen, beispielsweise durch Meditation. Diese hilft nachweislich, quasi nebenbei, Ängste zu regulieren und somit Stress abzubauen. Das vertiefte Selbst-Bewußtsein ist dann auch eine gute Basis, um Beziehungen anschließend umso reicher zu gestalten.

 

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Januar/Februar 2020 

 

20 Top-Stressoren am Arbeitsplatz - und wie Sie Ihre Mitarbeiter/innen bestmöglich schützen können (Teil 8)

12. Sinnverlust führt zu Frust

 

 

„Ein Leben ohne Möpse ist möglich, aber sinnlos“ (Loriot)

„Der Mensch ist seinem Wesen nach ein Sinnsuchender“, schreibt Viktor E. Frankl. Zurecht, wie wohl jede/r an sich selbst beobachten kann: Wenn etwas Schmerzliches passiert, fragen wir unwillkürlich: „Warum?“ und versuchen, dem Geschehen einen Sinn abzuringen. Bevor wir uns freiwillig Mühe machen, wägen wir ab, ob Zeit und Energie an dieser Stelle sinnvoll eingesetzt sind. Und am Beginn eines neuen Jahres fassen viele Menschen gute Vorsätze, um dem, was sie als ein „sinnvolles Leben“ erachten, ein Stück näher zu kommen. Denn mehr Sport oder weniger Zucker, mehr Zeit für die Familie oder das Hobby sind ja kein Selbstzweck, sondern dienen den übergeordneten Zielen „Gesundheit“, „Verbundenheit“ oder „Kreativität“. Diese wiederum eröffnen uns (zusätzliche) Spielräume für sinnvolles Tun.

Auch die Arbeit ist im Idealfall eine Gelegenheit, sich sinnvoll zu engagieren, anderen das Leben zu erleichtern, zu bereichern oder überhaupt erst zu ermöglichen, beispielsweise als Mitarbeiter/in der regionalen Trinkwasserversorgung oder als Hebamme. Deshalb leiden viele Menschen enorm unter Arbeitslosigkeit oder unter einer sinnentleerten Arbeit.

 

 

Als Arbeitgeber ist es daher wichtig, sich dessen bewusst zu sein, was das eigene Unternehmen zum Allgemeinwohl beiträgt, dies durch den eigenen Lebensstil überzeugend zu verkörpern und den Mitarbeitern authentisch zu vermitteln. Wenn eine Schuldirektorin beispielsweise nur den Notendurchschnitt „ihrer“ Schüler/innen und ein paar Vorzeigeprojekte für die Presse im Blick hat, aber nicht das soziale Klima an der Schule, werden gute Lehrer/innen schnell die Motivation verlieren, hier zu arbeiten.

Es gibt Sinn-Sackgassen, die weder die Geschäftsführung noch andere Führungskräfte zu verantworten haben. Dazu können beispielsweise drastische Mittelkürzungen, (unrealistische) politische Vorgaben oder ein harter Konkurrenzdruck beitragen. In solchen Situationen gibt es manchmal kein Patentrezept und keine umfassende Lösung. So gut wie immer jedoch gibt es Möglichkeiten, durch kleine oder größere Veränderungen mehr Sinn und dadurch mehr Erfüllung in die Arbeit zu bringen.

 

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November/Dezember 2019 

 

20 Top-Stressoren am Arbeitsplatz - und wie Sie Ihre Mitarbeiter/innen bestmöglich schützen können (Teil 7)

11. Wechselnde Arbeitsorte belasten Beziehungen

Wer heute in Frankfurt arbeitet, morgen in Berlin und übermorgen in München, belastet nicht nur die Umwelt durch häufige Flüge, sondern auch den eigenen Körper und die sozialen Beziehungen: Kaum Zeit für persönliche Gespräche mit Familie und Freunden, praktisch kein Raum für regelmäßige Veranstaltungen und meist zu wenig Entspannung. Der häufige Wechsel des Arbeitsortes kann eine Weile als inspirierend erlebt werden, wenn man der Typ dafür ist - langfristig ist diesem Lebensstil kaum jemand gewachsen - es sei denn es gibt immer wieder längere Phasen daheim.

 

 

Um diesen Stressor zu minimieren, sollten Arbeitgeber die Möglichkeiten ausgiebig nutzen, die Telefon- und Videokonferenzen bieten. Außerdem ist es wichtig, ältere und damit erfahrene Mitarbeiter/innen möglichst lange zu halten und weiter zu qualifizieren sowie in die Kompetenzen des Nachwuchses zu investieren. Nur so ist sichergestellt, dass nicht in einer Zweigstelle plötzlich essenzielles Wissen fehlt und regelmäßig „eingeflogen“ werden muss.

10. Wechselschichten bringen die innere Uhr aus dem Takt

Nachtschichten sind belastend für den menschlichen Körper. Sie wirken ähnlich wie ein Jetlag nach einem Langstreckenflug. Gelegentlich stecken vor allem Jüngere das meist lässig weg - auf die Dauer werden viele Menschen davon krank. Wechselschichten, die in einem ungünstigen Rhythmus aufeinander folgen, verschärfen das Problem enorm.

 

 

Nun funktionieren z.B. Kliniken nur im Schichtbetrieb. Arbeitgeber können aber die gesundheitlichen Folgen abmildern, indem sie den Beschäftigten möglichst viel Mitspracherecht bei der Gestaltung des Dienstplans einräumen. Das ist zwar mit organisatorischer Mehrarbeit verbunden, aber keinesfalls unmöglich. Denn nicht jeder im Team hat die gleichen Bedürfnisse: Während einem jungen Familienvater, der sowieso gerne nachtaktiv ist und der nachmittags sein Kind betreuen möchte, die Nachtschichten perfekt in den Plan passen, sind sie für eine geborene Frühaufsteherin möglicherweise Gift. Anstatt nun alle gleich behandeln zu wollen, kann eine ausführliche Bestandsaufnahme dazu verhelfen, jedem bestmöglich gerecht zu werden. Bestmöglich heißt nicht unbedingt „ideal“ - aber viel besser als nach „Schema-F“.

 

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September/Oktober 2019 

 

20 Top-Stressoren am Arbeitsplatz - und wie Sie Ihre Mitarbeiter/innen bestmöglich schützen können (Teil 6)

9. Überstunden machen häufig krank

Schon wenige Überstunden können einer Studie aus Stanford zufolge krank machen und beispielsweise zu Müdigkeit, geistiger und körperlicher Erschöpfung, Rückenschmerzen, Schlafproblemen und Niedergeschlagenheit führen.

Dies ist leicht nachvollziehbar, wenn man bedenkt, wie wichtig körperliche Bewegung, genug Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und Beziehungspflege für die Gesundheit sind - und wie leicht diese auf der Strecke bleiben, wenn der Arbeitstag sich über Gebühr ausdehnt:

 

 

Für das Selberkochen bleibt nach einem 10-Stunden-Tag oft keine Energie mehr übrig, so dass man lieber schnell eine Pizza oder ein anderes Fertiggericht bestellt. Die darin meist reichlich enthaltenen ungesunden Fette und den Mangel an Ballaststoffen, natürlichen Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen nimmt man dann eben hin und versucht ihn bestenfalls durch Nahrungsergänzungsmittel auszugleichen. Doch das funktioniert - zumindest auf Dauer - nicht, denn Nahrungsergänzungsmittel heißen so, weil sie die - gesunde- Nahrung ergänzen und nicht ersetzen sollen. Der einfache Grund: Vitalstoffe wirken immer besser in ihrem natürlichen Verbund als isoliert. Wer sich überwiegend von Fastfood ernährt, erhöht somit nicht nur sein Diabetesrisiko, ist häufiger müde und erschöpft, sondern kann sich auch emotionale Durchhänger “anessen”. 

Wer länger arbeitet, verpasst außerdem häufig den Sportkurs am Abend oder kann sich schlicht nicht mehr zum Joggen oder Radeln motivieren. Trotz Müdigkeit findet der überarbeitete Mensch dann oft nicht in einen erholsamen Schlaf, weil der Körper unausgelastet ist. Oder man schläft zwar trotzdem gut, wird aber viel zu früh vom Wecker aus den Träumen gerissen, weil man es nicht rechtzeitig ins Bett geschafft hat.

Bewegungs- und Schlafmangel haben ebenso fatale Folgen wie einseitige Ernährung. Wer sich kaum bewegt, ist für Rückenschmerzen besonders anfällig. Langfristig steigt das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Probleme und viele weitere chronische Erkrankungen. Schlafmangel indess führt zu emotionaler Unausgeglichenheit, Konzentrationsschwäche und schließlich zu milden bis hochgradigen Gedächtnisstörungen. Langfristig kann ebenfalls der gesamte Stoffwechsel aus dem Lot geraten. Und wer seine Beziehungen, beispielsweise aus Zeitmangel, vernachlässigt, neigt eher zu Niedergeschlagenheit bis hin zu Burnout als sozial gut eingebundene Menschen.

 

 

Arbeitgeber handeln folglich in ihrem eigenen Interesse, wenn sie Überstunden für ihre Mitarbeiter/innen auf ein Minimum beschränken. Mehrausgaben für eine befristete (Teilzeit-) Stelle zur Entlastung der Belegschaft bei längerfristigen Personalengpässen amortisieren sich recht schnell und sind eine gute Investition in die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter.

 

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August 2019 

 

20 Top-Stressoren am Arbeitsplatz - und wie Sie Ihre Mitarbeiter/innen bestmöglich schützen können (Teil 5)

Konflikte fair lösen

8. Konflikte gehören zu den häufigsten und stärksten Stressquellen am Arbeitsplatz. Hauptsächlich deshalb, weil sie meist zu spät beachtet und adressiert werden - nämlich dann, wenn sie schon eskaliert oder für eine Partei unerträglich geworden sind. Besser ist es, Reibungspunkte anzusprechen, wenn sie noch nicht weh tun. Hier können Chefs eine Menge beitragen. Beispielsweise, indem sie klar kommunizieren und Meinungsverschiedenheiten mit oder zwischen Mitarbeitern frühzeitig in sachlichem Ton benennen. Auch Zutrauen in die Mitarbeiter/innen, ihre Konflikte selbst lösen zu können, ist wichtig: Führungskräfte sollten sich als neutraler Ansprechpartner und gegebenenfalls Vermittler anbieten, aber nicht die Konflikte im Team „von oben“ lösen.

 

 

Hilfreich sind auch Schulungs-Angebote zu Konfliktmanagement oder Gewaltfreier Kommunikation (GfK). Diese sind für Mitarbeiter umso attraktiver, je positiver sie von der Führungskraft wahrgenommen werden. Auch die Art und Weise, wie beispielsweise Meetings gestaltet werden, hat einen großen Einfluss darauf, ob Unstimmigkeiten früh erkannt und fair beigelegt werden können, oder ob sie unterschwellig schwelen, bis es zur Explosion kommt. Last but not least haben Führungskräfte es in der Hand, durch Kommunikation klarer Zuständigkeiten und Kompetenzen das Konfliktpotenzial im Team zu minimieren.

 

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Juli 2019 

 

Am 6. Juli erscheint in der Badischen Zeitung ein Service-Artikel von Kirsten S. Andrä mit dem Titel : "Raus aus der Perfektionismusfalle". Auf Wunsch erhalten Sie diesen Artikel gratis per E-Mail. Melden Sie sich dafür bitte einfach über unser Kontaktformular.

 

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Juni 2019

 

20 Top-Stressoren am Arbeitsplatz - und wie Sie Ihre Mitarbeiter/innen bestmöglich schützen können (Teil 4)

Wer Pausen macht, lebt gesünder und leistet mehr!

7. Pausenverzicht: Viele Menschen neigen dazu, bei Arbeitsspitzen auf Pausen zu verzichten. Sie glauben, in der „gesparten“ Zeit die Mehrarbeit leisten zu können. Diese Strategie erweist sich jedoch als Bumerang: Die Stresshormone im Blut steigen und die Leistungsfähigkeit des Kopfarbeiters sinkt. Pausen hingegen lassen die Konzentrationsfähigkeit deutlich ansteigen. So werden Fehler vermieden, kreative Ideen geboren, der Überblick bleibt erhalten und die Beziehungen zu Kollegen und Kunden profitieren ebenfalls von der Entspannung.

 

 

Wichtig ist natürlich auch, wie man die Pausen gestaltet: Möglichst den Arbeitsplatz verlassen, zumindest aber vom Bildschirm wegschauen, sich bewegen, wenn man im Sitzen arbeitet, frische Luft tanken und gedanklich mindestens für ein paar Minuten komplett abschalten gehört zu den wichtigsten Aspekten einer erholsamen Pause. Führungskräfte haben hier eine wichtige Vorbildrolle: Wenn Sie mittags am Schreibtisch schnell ein Brötchen knabbern und dabei E-Mails lesen, ist das für das Team ein fatales Signal. Wenn möglich, sollten auch Mittagspausen von mehr als einer halben Stunde akzeptiert werden, damit nach dem Essen noch Zeit für einen Spaziergang bleibt. Auch dieser fördert letztendlich die Leistungsfähigkeit und am Ende des Tages fühlt man sich wohler und hat zudem in kürzerer Zeit mehr geschafft.

 

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Mai 2019

 

Am 27. April 2019 erschien in der Badischen Zeitung ein BZ-Gastbeitrag von Kirsten Susanne Andrä: "Gemeinsam in einem Boot - Mitarbeitergespräche erfolgreich gestalten"

 Auf Wunsch senden wir Ihnen diesen Artikel gerne an Ihre E-Mail-Adresse.

 

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April 2019

 

20 Top-Stressoren am Arbeitsplatz - und wie Sie Ihre Mitarbeiter/innen bestmöglich schützen können (Teil 3)

5. Arbeitshetze

Neulich unterhielten sich in der Bahn zwei sehr junge Damen: Eine von ihnen hatte gerade den Arbeitsplatz gewechselt, weil sie auf ihrer vorherigen Stelle den Kund/innen und ihrem eigenen Serviceanspruch nicht mehr gerecht werden konnte. Sie wollte wirklich gute Arbeit leisten und Menschen froh machen. Schade, dass ihr Arbeitgeber wegen des immer schnelleren, geforderten Tempos diese engagierte junge Mitarbeiterin verloren hat. Leider ist das kein Einzelfall, sondern trauriger Alltag in vielen Firmen.

Natürlich muss bei der Arbeit ein bestimmtes Tempo erfüllt werden. Aber dass dieses immer schneller zu sein hat, ist ein gefährlicher Irrweg. Sprechen Sie mit Ihren Mitarbeiter/innen, wie diese das Arbeitstempo empfinden und steuern Sie spätestens dann entschieden um, wenn Sie mitbekommen, dass selbst die hoch Motivierten unter ihnen unzufrieden mit der Arbeitsfülle oder den Terminvorgaben sind.

 

 

Mit den langsameren, oft besonders gründlichen, Mitarbeiter/innen können Sie besprechen, an welchen Stellen diese auch einmal Fünfe gerade sein lassen können. Erklären Sie diesen das „Pareto-Prinzip“ und geben Sie ihnen die Sicherheit, dass sie nicht gleich scharf kritisiert werden, wenn sie einmal einen Fehler machen.

„Mutitasking“ ist, laut einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der häufigste Grund für das Gefühl, gehetzt durch den Arbeitstag zu rennen.

6. Multitasking

„Multitasking“ wurde von der Realität als Zeit- und Nervenfresser, Fehlergenerator und Stressquelle Nummer eins entlarvt. Trotzdem halten manche Chefs (und Mitarbeiter) an der Idee fest, dies gelte nur für die Anderen. Leistungsträger seien von dieser Regel ausgenommen. Diese Ansicht führt zu beinahe absurden Regelungen. Der Klassiker: Das Telefon ist parallel zum Kundenkontakt vor Ort zu bedienen - bei strengem Verbot, beispielsweise zu bestimmten Zeiten den Anrufbeantworter einzuschalten oder sich im Team mit dem Telefondienst abzuwechseln. Wer so arbeitet, schafft wenig und wird auf Dauer krank.

Single-Tasking, also das bewusste eins-nach-dem-anderen-Tun, bewirkt sofort bessere Ergebnisse, mehr Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, bessere Gesundheit und weniger stressbedingte Konflikte im Team. Die Arbeitsabläufe daraufhin, gemeinsam mit den Mitarbeiter/innen, durchzusehen und zu verändern ist eine Führungsaufgabe, die erst einmal Zeit und Mühe kostet. Doch beides lohnt sich und zahlt sich sehr schnell aus – sowohl monetär als auch menschlich. 

 

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März 2019

 

20 Top-Stressoren am Arbeitsplatz - und wie Sie Ihre Mitarbeiter/innen bestmöglich schützen können (Teil 2)

3. Unterforderung ist ähnlich ungesund wie Überforderung, wenn sie zu lange anhält: Der chronisch unterforderte Mensch langweilt sich zuerst und verliert dann, aufgrund fehlender Erfolgserlebnisse, nach und nach sein Selbstbewusstsein. Körperliche, psychische und soziale Probleme können folgen. Vorbeugen können Sie als Vorgesetzte/r, indem Sie von Anfang an im Dialog mit Ihren Mitarbeitern stehen, Interesse an ihren Fähigkeiten, auch über die aktuelle Stellenbeschreibung hinaus, zeigen und aktiv nach gewinnbringenden Anwendungsmöglichkeiten dieser Talente suchen.

 

Fragen Sie ruhig einmal im Mitarbeitergespräch nach, welche Themen den Betreffenden noch interessieren würden, wenn Sie den Eindruck haben oder gesagt bekommen, dass jemand unterfordert ist. Erkundigen Sie sich nach den Zielen Ihrer Mitarbeiter/innen und sehen Sie sich auch als Karriere-Förderer, selbst wenn dies einmal bedeutet, dass Sie einen guten Mann oder eine gute Frau wider Willen aus Ihrer Abteilung ziehen lassen müssen, weil er oder sie aus der Aufgabe heraus gewachsen ist und Sie keine passende Herausforderung bieten können. Langfristig werden Sie froh sein, nicht eigennützig ein Talent blockiert zu haben. Auf Dauer wäre dies ohnehin nicht gut gegangen.

4. Ständige Erreichbarkeit ist etwas, von dem viele Menschen glauben, Sie hätten sich daran längst gewöhnt. Nicht wenige zeigen sogar „Entzugserscheinungen“, wenn sie sich aus diesem Modus ausklinken. Doch langfristig ist ständige Erreichbarkeit für fast alle Menschen ein Stressfaktor, der sie krank macht. Dieser Stressor hat viele Gesichter: Von der Erwartung des Vorgesetzten, nach Feierabend und am Wochenende erreichbar zu sein, über zu kurze Zeitfenster für die Beantwortung von E-Mails, bis zu einem generellen Verbot, den Anrufbeantworter im Büro einzuschalten.

 

 

Hilfreich sind folglich Absprachen, welche Zeiten der Erreichbarkeit wirklich notwendig sind, in welchen Intervallen von wem und zu welchen Themen E-Mail-Antworten benötigt werden und wann es zulässig ist, den AB einzuschalten, um ungestört an einem Thema zu arbeiten oder die Kunden vor Ort zu betreuen. Auch Möglichkeiten, stundenweise in ein stilles Büro oder tageweise in ein Homeoffice auszuweichen, sollten gründlich ausgelotet werden.

 

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Februar 2019

 

20 Top-Stressoren am Arbeitsplatz - und wie Sie Ihre Mitarbeiter/innen bestmöglich schützen können (Teil 1)

Völlig stressfreies Arbeiten ist natürlich eine Utopie. Und Utopia ist nicht das, was realistische Unternehmer, Personalerinnen, Führungskräfte oder Organisationsentwicklerinnen anstreben. Doch mit Know-How und gutem Willen lassen sich viele potenziell krankmachende Stressoren minimieren:

1. Arbeitsverdichtung beruht zu einem Gutteil auf externen Faktoren wie verschärftem globalem Wettbewerb, gedeckelten öffentlichen Zuschüssen, neuen Gesetzen, beispielsweise zu Dokumentationspflichten, etc. Es gibt aber auch einige hausgemachte Faktoren. Je nach Typ und Größe des Unternehmens sind das beispielsweise mangelnde Phantasie bei der Auswahl des Angebots oder der Gestaltung der Betriebsabläufe, zu viel Augenmerk auf Gewinnmaximierung zu Gunsten der Aktionäre und zu Lasten der Mitarbeitenden, Verzicht auf die konsequente Ausbildung eigenen Nachwuchses oder mangelnde „Pflege“ bzw. Einbindung der erfahrenen Mitarbeitergeneration, die durch ihr Wissen überflüssige Arbeitsgänge erübrigen könnte, oder auch die Unfähigkeit, dem Kunden gegenüber, wo nötig, einmal „nein“ zu sagen.

Im Umkehrschluss sind eine regelmäßige Kursbestimmung, offene Ohren für die Mitarbeiter/innen, um Überlastung frühzeitig zu erkennen, ein Nachwuchs- und Erfahrungsträger-Programm sowie bei Bedarf ein Coaching oder eine Organisationsberatung für die Führungsspitze sinnvolle Maßnahmen.

 

 

2. Überforderung kann eine Folge der immer stärker um sich greifenden Arbeitsverdichtung sein, muss es aber nicht. Auch nachlässig geführte Bewerbungsgespräche und unklare Stellenbeschreibungen, die zu Fehlbesetzungen führen, zu wenig Unterstützung bei der Einarbeitung oder bei betrieblichen Veränderungen, mangelnde Fortbildungsmöglichkeiten, fehlende Rücksicht auf kurzfristige private Belastungsspitzen oder ein perfektionistischer Vorgesetzter sind mögliche Auslöser. Dies bedeutet, dass an allen diesen Stellschrauben gedreht werden kann, um einer Überforderung der Mitarbeiter/innen vorzubeugen.

 

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Januar 2019

 

Genießen Sie das Gefühl unberührter Natur

Kennen Sie das Gefühl, über ein frisch verschneites Feld zu laufen? Ihre Schritte knischen im unberührten Weiß, das in reiner Schönheit vor Ihnen liegt. Schon als Kind berührt diese Erfahrung viele Menschen so tief, dass sie sich Jahrzehnte später noch freudig daran erinnern. Warum nicht wieder einmal daran anknüpfen?

 

 

Ein Schneespaziergang durch Wald und Flur, allein oder zu zweit, schweigend und mit offenen Sinnen, kann das Gemüt zutiefst entspannen. Man findet zu sich selbst zurück, wendet sich dem eigenen stillen Pol fast automatisch zu. Der frische Schnee dämpft alle Geräusche und wirkt wie eine Tabula rasa, ein Spiegelbild des ursprünglichen Zustands der Seele, bevor sie durch Eindrücke und Erfahrungen geprägt wurde. Man kann auch „Wesenskern“, „Selbst“ oder „Inneres“ dazu sagen. Ein Spaziergang durch frisch verschneite Natur kann diesen inneren Raum quasi leeren, klären und frisch auftanken. Dies ist Stressmanagement im umfassendsten Sinne.

 

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Dezember 2018

 

Leichtfüßig ins neue Jahr

Viele Menschen haben zum Ende des Jahres das Bedürfnis, „reinen Tisch“ zu machen, auszumisten und sich von überflüssigem Ballast zu trennen. Umso leichter und kraftvoller, so die Erfahrung, startet man in das neue Jahr. Doch vielen fällt es zugleich schwer, einen Anfang zu finden und sich konsequent von altem Plunder loszusagen. Wer in diesem Dilemma steckt, kann von zwei einfachen, aber wirkungsvollen Tricks profitieren.

 

 

Erstens: Stellen Sie sich den Keller, die Abstellkammer, den Schrank oder Raum, den Sie von verstaubtem Ballast befreien wollen, in seinem idealen Endzustand vor. Visualisieren Sie also vor Ihrem geistigen Auge die aufgeräumten Regale und Schubladen bis ins Detail. Lassen Sie das schöne Gefühl der Erleichterung, das dieser Anblick bei Ihnen auslöst, durch den ganzen Körper strömen. Genießen Sie Ihren Erfolg, als wäre er schon jetzt da. Sie werden spüren, wie diese Vorwegnahme Ihren Zieles Sie motiviert. Vielleicht kribbelt es direkt so sehr in Ihren Fingern, dass Sie sofort anfangen wollen. Zweitens: Hören Sie Musik, die Sie selbst in einen harmonischen und „aufgeräumten“ Zustand versetzt, egal ob Adele oder Mozart, frei nach dem Motto: „Das Innere wirkt nach außen.“ Viel Freude und Erfolg bei Ihrem befreienden Jahresausklang!

 

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November 2018

 

Brain-Fitness in der Badischen Zeitung

Am Samstag, 3. November 2018, erschien in der Badischen Zeitung, Ressort Beruf und  Karriere, ein Artikel von Kirsten Susanne Andrä zum Thema "Brain-Fitness für die erfahrene Generation".

 

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Oktober/November 2018

 

Düngen Sie Ihre grauen Zellen!

Ein fittes Gehirn bis ins hohe Alter ist keine reine Glückssache. Inwischen ist gut erforscht, dass vor allem körperliche Bewegung eine große Rolle dabei spielt, wie lange wir uns alltägliche Dinge merken oder messerscharf schlussfolgern können.

Moderater Ausdauersport, der den Kreislauf auf Trab bringt, tut dem Gehirn nachweislich gut und lässt bis ins hohe Alter neue Nervenzellen sprießen. Koordinationsübungen wie Tanzen oder Tai Chi, über-kreuz-Bewegungen sowie Gleichgewichtsübungen ergänzen das Cardiotraining ideal.

 

 

Wer außerdem genug schläft, sich gesund ernährt, sich kognitiv vielseitig fordert sowie soziale
Beziehungen pflegt, „düngt“ sein Gehirn, so dass die geistigen Fähigkeiten nicht nur lange erhalten bleiben, sondern im mittleren Lebensalter sogar noch merklich gesteigert werden können.

Andrä Coaching bietet entsprechende Seminare mit maßgeschneiderten kognitiven Übungen und
Bewegungsabläufen, die u.a. die Koordination der beiden Gehirnhälften fördern. Zur Zielgruppe
gehören Menschen ab ca. 40 Jahren.

 

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August/September 2018

 

Auf gute Nachbarschaft!

Nachbarn sucht man sich meist nicht aus. Zugleich kann das nachbarschaftliche Klima viel zum eigenen Wohlbefinden beitragen – ebenso wie umgekehrt.

Wer seine Nachbarn freundlich und gerne auch mit Namen grüßt, spontan Hilfe anbietet, wenn mal Not am Mann ist, rücksichtsvoll feiert, kooperativ ist und den Nachbarn vielleicht sogar mal eine leckere Kleinigkeit aus dem eigenen Garten oder Backofen mitbringt, wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit guter nachbarschaftlicher Beziehungen erfreuen.

 

 

So geht vieles einfacher. Egal ob man sich den Fuß verstaucht hat oder ein paar zusätzliche Stühle für die Feier benötigt: Die Nachbarn werden ihrerseits gerne helfen. Vor allem aber macht es Freude, seinen Teil zum guten nachbarschaftlichen Klima beizutragen. Eine altruistische Tat kann sogar nachweislich Glückshormone freisetzen und damit den Stresslevel senken.

 

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Juni/Juli 2018

 

So können Sie Hitze besser ausgleichen

Das sommerliche Wetter polarisiert: Während der eine sich überglücklich nach Feierabend in den kühlen See stürzt und genüssliche Runden dreht, stöhnt die andere über feuchte Kleidung, geschwollene Beine oder Kopfschmerzen. Wenn Sie zu den Menschen gehören, die sich durch Hitze eher gestresst als beflügelt fühlen, helfen Ihnen vielleicht folgende Tipps:


 

  • Frische Minze, als Tee oder im Dessert, kühlt den Körper auf sanfte Art. Ebenso wirken Tomaten, Ananas und Melone stark abkühlend. Im Gegenzug hilft es, auf erhitzende Gewürze und Getränke wie Pfeffer, Ingwer, Chili und Kaffee an heißen Tagen weitestgehend zu verzichten

  • Direkte Mittagssonne erhitzt nicht nur die Haut, sondern kann auch schnell zu UV-Schäden führen. Eine dünne Bluse aus reiner Baumwolle oder Seide, die die Arme bedeckt, ist in der Zeit von ca. 11 bis 16 Uhr ein angenehmer Schutz vor der intensiven Sommersonne. Kleider aus Kunstfaser trocknen zwar schnell, führen aber bei vielen Träger/innen erst zu starkem Schwitzen!

  • Asiatinnen tragen im Sommer oft einen kleinen Sonnenschirm mit sich, um sich stets in kühlem Schatten aufzuhalten. Gegenüber einem Sonnenhut hat der Schirm den Vorteil, dass sich am Kopf keine Hitze staut, die zu Kopfschmerzen führen kann. Ein Versuch kann sich durchaus auch in unseren Breiten lohnen!

  • Im Yoga gibt es verschiedene Atemtechniken, die den Körper wahlweise kühlen oder erwärmen. Kühlend ist beispielsweise diese Atemübung: Suchen Sie sich einen ungestörten Platz, an dem Sie allein sind. Strecken Sie Ihre Zunge heraus. Rollen Sie Ihre Zunge dann seitlich hoch, so dass sie eine „Rinne“ bildet. Dann atmen Sie durch diese Rinne ein. Da die Zunge feucht ist, kühlt die Atemluft sofort ab. Sie können sich dabei vorstellen, wie kühle Luft bis in den Kopf strömt. Anschließend normal durch die Nase ausatmen.

  • Zwischendurch die Unterarme mit der Innenseite nach oben kurz unter kühles – nicht eiskaltes – Wasser halten, erfrischt enorm!

  • Last but not least: Trinken, trinken, trinken! Am besten dem Durst immer mindestens ein paar Schlucke voraus. 3 Liter Wasser, Saftschorle, Kräutertee o.ä. sollten es an heißen Tagen schon sein. Wenn Sie sich viel bewegen, kann der Bedarf noch weit darüber steigen. Wichtig ist auch, regelmäßig zu trinken, beispielsweise jede Stunde ein Glas Mineral- oder Quellwasser. Denn das Trink-Versäumnis eines ganzen Tages lässt sich abends nicht nachholen!

 

 

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Mai 2018

 

Geh mal wieder in den Wald!

Für meinen Großvater war der Wald „die schönste Kathedrale“, Förster Helmut Dagenbach preist in seinem trefflichen Gedicht den „Doktor Wald“ und im Raum Freiburg sind Studierende, Sportler und Familien auch an einem trüben Sonntag im Nieselregen mit Wanderschuhen oder Mountainbike im Wald unterwegs.

Wer sich aufgerafft hat, weiss, wie gut das tut. Der Wald wirkt bei (fast) jedem Wetter entspannend, inspirierend, belebend und Stress lösend. Oder mit den Worten Helmut Dagenbachs: „Er hilft mir immer wieder auf die Beine, bringt meine Seele stets ins Gleichgewicht, verhindert Fettansatz und Gallensteine – nur Hausbesuche macht er leider nicht!“

Japanische Forscher haben die heilsamen Effekte des Waldes jetzt bestätigt: Sie schickten mehr als 120 Menschen in 24 japanische Wälder zum Spazierengehen und fanden heraus, dass die Waldspaziergänge den Blutdruck, Puls und die Konzentration des Stresshormons Cortisol im Körper messbar senken. Spaziergänge in der Stadt hatten diese Effekte nicht.

Nicht nur unser Kreislauf profitiert vom Wald, sondern auch das Immunsystem. Denn in Baumrinden, Blättern und Pilzen stecken chemische Botenstoffe, sogenannte Terpene. Mit deren Hilfe informieren Bäume und andere Pflanzen einander über Schädlinge, von denen sie angegriffen werden, schreibt Clemens G. Arvay, Biologe und Autor des Buchs „Der Heilungscode der Natur“. Gelangen diese Duftstoffe in die Luft, entsteht der typisch würzige Waldgeruch.

„Nach Regen und bei Nebel ist die Luft besonders reich an Terpenen“, schreibt Arvay. Wenn wir aromatische Waldluft einatmen, werden so anscheinend Zellen gebildet, die Viren abtöten und Krebs verhindern können. Das Team um den japanischen Mediziner Quing Li fand mit Blutanalysen heraus, dass ein Tag im Wald die Anzahl von Killerzellen im Körper durchschnittlich um vierzig Prozent erhöht. Das Beste daran: Die Wirkung hielt sogar eine ganze Woche lang an.

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April 2018

 

So arbeiten Ihre Mitarbeiter/innen gesund und effektiv

Sind Ihre Mitarbeiter/innen gestresst und häufig krank?
Ist die Fluktuation in Ihrer Verwaltung oder Firma höher als Ihnen lieb ist?
Gab es in letzter Zeit häufiger Beschwerden von Kunden über Qualitätsmängel oder Klagen von Mitarbeitern über das Betriebsklima?

Wenn Sie eine oder mehrere dieser Fragen mit „Ja“ beantwortet haben, ist es Zeit für einen „Frühjahrsputz“!

Wie im Haushalt, so gilt auch in Betrieben und Organisationen: Isolierte Maßnahmen verbessern die Situation nicht grundlegend. Wenn Sie beispielsweise nur die Fenster putzen, aber weder die Böden reinigen noch das Altpapier ausmisten, können Sie zwar vielleicht die schöne Aussicht bewundern, aber ... Sie wissen schon, worauf es hinaus läuft.

Leider handeln nicht wenige Betriebe genau so:
Ein (Halb-) Tagesseminar zum Thema Stressabbau hier, ein Obstkorb dort und wenn gerade etwas Geld übrig ist, könnte man vielleicht noch...

Stopp. Am Anfang war das Konzept. Ein Konzept zum Thema Stressmanagement umfasst beispielsweise folgende Bereiche:

Prozessuales Stressmanagement (z.B. Dienstpläne, Arbeitsabläufe, Kommunikationsstrukturen)
Corporales Stressmanagement (z.B. Klare Zuständigkeiten, Leitbild, Personalentwicklung)
Persönliches Stressmanagement (z.B. Resilienztraining, Ernährung, Pausengestaltung)
Führungskräfte-Schulung (z.B. gesunde Führung, Krisenfrüherkennung und -Intervention, Wiedereingliederung)
Räumliches Stressmanagement (z.B. Schallschutz im Großraumbüro, ergonomische Sitzmöbel, Pflanzen)

Andrä Coaching berät Sie gern und erstellt mit Ihnen gemeinsam ein maßgeschneidertes Konzept. Konzept und Umsetzung aus einem Guss!

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März 2018

 

Wut tut (manchmal) gut

Ärger und Wut sind keine Betriebsunfälle der Evolution. Nach humanistischer Auffassung sind es vielmehr sinnvolle Gefühle: Sie sollen Energie bereit stellen, um Grenzen zu schützen und Dinge zum Positiven zu verändern!

Wenn beispielsweise Ihr Nachbar regelmäßig nachts laut Musik hört und Sie damit wach hält, wenn Kollegen Sie über wichtige Ereignisse nicht informieren, sich nicht an Absprachen oder an das Rauchverbot im Betrieb halten oder sich ungefragt persönliche Dinge aus Ihrem Büro „ausleihen“, wenn der Chef Ihnen körperlich oder verbal zu nahe tritt – dann sind dies alles Situationen, in denen Sie ihren Ärger oder Ihre Wut ernst nehmen sollten.

Vielleicht sind Sie beim ersten Mal so überrascht, dass Ihnen keine passende Bemerkung, Frage oder Intervention einfällt. Dann ist es legitim, sich zurück zu ziehen und sich zu überlegen, welche Reaktion angemessen wäre. Im Zweifel können Sie dies natürlich auch mit einer Person Ihres Vertrauens besprechen.

Im Grunde gilt erst einmal dasselbe wie in den „harmlosen“ Situationen:

  • Legen Sie sich eine Strategie zurecht, wie Sie das nächste Mal reagieren wollen, wenn die Situation wieder eintritt

  • Nehmen Sie diese beherzte Reaktion gedanklich vorweg (visualisieren)

  • Verankern Sie diese positive Reaktion im Bewusstsein und üben Sie sie bei Bedarf zu Hause (z.B. mit Ihrem Partner oder vor dem Spiegel)

  • In der Situation selbst besinnen Sie sich auf Ihre wichtigste Stärke, die Sie jetzt effektiv einsetzen können: Das kann beispielsweise Ihre Schlagfertigkeit sein, Ihre Stimme, Ihre souveräne Körpersprache, Ihr Humor, Ihre Kontakte (Verbündete schaffen), Ihre Cleverness, Ihr eingeübtes „Stopp – bis hier hin und nicht weiter!“ oder Ihre körperliche Geschicklichkeit, mit der Sie sich erst einmal Distanz schaffen, um von dort aus alles Weitere zu regeln.

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Februar 2018

 

Vom „Glück“ der roten Ampel

Erleben Sie häufig ähnliche Situationen, in denen Sie ärgerlich, irritiert oder gestresst reagieren? Dann ist es an der Zeit, zu handeln!

Schritt 1: Wenn Sie die Situation in einer ruhigen Minute überdenken, erkennen Sie, ob Ihr Ärger berechtigt ist, oder ob es sich um eine „automatische“ Reaktion auf eine Nichtigkeit handelt.

Schritt 2: Handelt es sich um eine Lappalie, z.B. rote Ampeln, Passagiere, die gedankenlos im Eingangsbereich der Tram stehen bleiben oder Spam-Mails, kann es hilfreich sein 

  • sich eine Strategie zurecht zu legen, wie Sie das nächste Mal reagieren wollen, wenn die Situation wieder eintritt

  • diese konstruktive Reaktion gedanklich vorweg zu nehmen (visualisieren)

  • diese positive Reaktion im Bewusstsein zu „verankern“

In der Situation selbst können Sie beispielsweise:

  • tief durchatmen

  • sich bewusst machen, dass dies gerade nicht gegen Sie persönlich gemünzt ist

  • das Beste daraus machen (Beispiele folgen)

Die Zeit an der roten Ampel können Sie z.B. nutzen, indem Sie Ihre Lieblings-CD einschalten und mitsingen oder den eigenen Atemfluss beobachten (Mini-Meditation) oder Ihre Handflächen oder Ohrläppchen massieren (Reflexzonenmassage). Alles dies ist wohltuend, gesundheitsfördernd und lässt die Zeit wie im Flug vergehen.

Schritt 3: Beobachten Sie, wie sich Ihre Lebensqualität durch diese kleinen Veränderungen steigert, beglückwünschen Sie sich dafür und teilen Sie Ihre Erfahrungen mit anderen!

Was Sie tun können, wenn es sich um handfeste Ärgernisse handelt, erfahren Sie im März.

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Januar 2018

 

So bleiben Sie in Ihrer Mitte, wenn Sie zu Unrecht angegriffen werden

Auch freundliche, kooperative Menschen treffen gelegentlich (wenngleich selten) auf einen Zeitgenossen, der zu einem sachlichen Gespräch nicht bereit oder in der Lage ist. Dieser ist für Argumente nicht zugänglich, unterstellt Ihnen vielleicht unfaire Motive und bricht die Kommunikation abrupt ab.

Lassen Sie sich von einer solchen Begegnung nicht stressen! Eine Möglichkeit ist, sich vorzustellen, dass man einen dieser klassischen gelben Friesennerze trägt und die ungerechten Vorwürfe oder unfeinen Worte daran wie Regentropfen abperlen lässt. Sie bleiben warm und trocken – und vor allem wohlgemut.

Alternativ können Sie sich eine rote Clown-Nase besorgen, die es demnächst wieder überall zu kaufen gibt. Setzen Sie sie auf, stellen Sie sich vor den Spiegel und machen Sie ein paar Grimassen. Sie werden vermutlich herzhaft lachen und dem Sonderling keinen Raum mehr in Ihren Gedanken geben. Carpe Diem!

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Dezember 2017

 

Stärken Sie sich selbst den Rücken!

Wer ausgeglichen und leistungsfähig sein will, braucht ein „starkes Kreuz“ und einen stabilen Stand. Denn die Körperhaltung wirkt sich auf Gemüt und Leistungsfähigkeit aus. Sie fragen sich nun vielleicht: „Schön und gut, aber was kann ich selbst dafür tun?

Die Antwort lautet: Einiges! Neben Sport, der die Rückenmuskulatur stärkt und den Rücken flexibel hält, gehören auch mentale Übungen dazu. Beispielsweise diese: Stehen Sie bitte aufrecht und locker in schulterbreitem Stand mit leicht angewinkelten Knien. Nun konzentrieren Sie sich bitte auf Ihren Rücken: Die gesamte Fläche vom Schultergürtel bis zum Steißbein einfach bewusst wahrnehmen. Spüren Sie die Kleidung auf der Haut Ihrer Körperrückseite? Oder Ihre Rückenmuskulatur? Ihr Rückgrat? Wenn Sie dies ein paar Mal üben, wird es immer leichter gelingen.

So simpel diese Übung klingt, so wirksam ist sie zugleich, wenn es darum geht, sich selbst den Rücken zu stärken. Denn wohin Sie Ihre Aufmerksamkeit lenken, dorthin strömt auch Ihre Energie. Und ein starker Rücken stabilisiert Sie körperlich wie psychisch.

Sie können diese Übung auch in einer konkreten Belastungssituation, in der Sie sich kraftlos fühlen, einsetzen, um einen „zweiten Wind“ zu bekommen. Denn im Bereich des Rückens befindet sich ein – oft ungenutztes – Energiereservoir.

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November 2017

 

Wie Sie manch' hartnäckigen Kopfschmerz vertreiben können

Haben Sie immer wieder Kopfschmerzen? Sie schlafen genug, ernähren sich ausgewogen und frei von Glutamat, bewegen sich regelmäßig an der frischen Luft, sorgen für Entspannung, trinken rund 2 Liter Wasser am Tag und Alkohol oder Nikotin gehören auch nicht zu Ihren Lastern? Der Arzt hat nichts festgestellt und dennoch pocht es mit unschöner Regelmäßigkeit hinter Schläfe oder Stirn?

Dann könnte Ihnen das Kneipp-Duschen helfen: Am Schluß jedes Duschbades ein paar Mal die Beine abwechselnd warm und kalt abduschen, trainiert die Gefäße. „Mutige“ nehmen die Arme hinzu, um den Effekt zu verstärken. Die Kneipp-Güsse kommen dem ganzen Organismus, einschließich des Gehirns, zugute. Kopfschmerzen können so mittelfristig gelindert werden oder ganz verschwinden. Denn schon „Vater“ Kneipp wusste: „Kältereiz ist Lebensreiz.“

Wenn Sie das Glück haben, dass ein Bach an Ihrem Haus vorbei fließt, können Sie natürlich auch in original Kneippscher Manier „Wasser treten“, also barfuß ein paar Sekunden durch den Bach waten, sich anschließend gut abtrocknen und warme Socken anziehen.

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Oktober 2017

 

Stress-Kopfschmerz adé

Bei Stress einen „kühlen Kopf“ zu bewahren, ist ein schönes Ziel. Leider gelingt es nicht immer. Manchmal reagiert der Kopf stattdessen mit Schmerzen. Zum Glück gibt es sanfte und zugleich wirksame Mittel, diesen Spannungskopfschmerz zu lösen.

Beispielsweise die „Heiße Sieben“: Dafür lösen Sie das Schüssler-Salz Nr. 7, Magnesium Phosphoricum, in heißem Wasser und trinken es schluckweise. Magnesium hat eine entkrampfende Wirkung auf die gesamte Muskulatur. Auch die Nackenmuskeln, die oft am Spannungskopfschmerz beteiligt sind, reagieren positiv darauf. Eine Tasse Kaffee wirkt bei manchen Menschen ebenfalls schmerzlösend.

Zweitens: Minzöl, auch bekannt als „Japanisches Heilpflanzenöl“. Dies können Sie sanft in den Nacken einmassieren (lassen) und bei Bedarf auch einen Tropfen an der Schläfe verreiben, hinter der es pocht. Vorsicht, dass das Öl nicht in die Augen gelangt!

Drittens: Tanzen Sie! Tanzen lockert und entspannt Körper und Psyche wie kaum eine zweite Bewegungsart. Ob Salsa, Orientalischer Tanz, „Freestyle“ oder „Rheinländer“ – bewegen Sie sich, wie es Ihnen gefällt. Wichtig ist, dass Sie sich nicht mit dem Ehrgeiz, eine tolle Figur abzugeben, neuen Stress schaffen. Im Zweifel ist einfach „Zappeln“ das Beste. Bei akutem Kopfschmerz sollte die Musik dabei moderat sein.

Natürlich ist auch sanfte Bewegung an der frischen Luft, wie Radfahren oder spazieren gehen, eine sinnvolle Variante. Vielen Kopfschmerzpatienten hilft es außerdem, reichlich Wasser zu trinken, Alkohol und histaminhaltige Lebensmittel, wie beispielsweise reifen Käse, zu meiden, einen regelmäßigen Schlafrhythmus einzurichten und - wenigstens in der Freizeit - einen Bogen um den Bildschirm zu machen.

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September 2017

 

Change-Prozesse: Ängste akzeptieren, adressieren, transformieren

Angst gilt vielen Unternehmern und Organisationsentwicklern als negatives Gefühl. Dabei leistet sie uns ebenso gute Dienste wie ihr Gegenpol, die Neugierde. Angst ist wie ein Thermostat, das vor drohender Überhitzung oder Frost warnt. So kann nachgeregelt und das Wohl des Einzelnen wie des Unternehmens gewahrt werden. Psychologisch geschulte Change-Manager sind sich dessen bewusst. Seriöse Coaches und Berater kaschieren auch nicht, dass Veränderungsprozesse Zumutungen und Schmerzen für den Einzelnen beinhalten können. Sie nehmen vorhandene Ängste ernst und gehen darauf ein. Der folgende Artikel beschreibt fünf Kernaspekte dieses transformativen Ansatzes.

Angst ist eines der 5 Grundgefühle neben Freude, Ärger, Traurigkeit und Neugier. Diese Gefühle wirken unmittelbar. Zugleich macht jeder im Laufe des Lebens individuelle Erfahrungen, die bestimmte Ereignisse mental mit „Gefahr“ verknüpfen: Ein Mitarbeiter, der in einer anderen Firma betriebsbedingt seinen Arbeitsplatz verloren hat, wird anders auf die Nachricht reagieren, dass in Ihrem Unternehmen Veränderungen anstehen, als jemand, der diese Erfahrung noch nicht gemacht hat.

Wichtig ist, Angst als Emotion nicht abzuwerten, sondern auf diese positiv einzugehen. Dazu gehört erstens aktives Zuhören. Hier kommt es darauf an, innerlich vollkommen auf Empfang zu schalten. Nicht Gesten wie Nicken oder Lächeln sind gefragt, sondern hundertprozentige Aufmerksamkeit. Zweitens gehört dazu, im weiteren Prozess die gehörten Sorgen, Vorschläge usw. aktiv aufzugreifen. Drittens sollten Vorgesetzte ihre eigenen Hoffnungen und Erwartungen bezüglich der anstehenden Veränderungen äußern. Eine offene Risikoeinschätzung kann zur Transparenz und damit zur Vertrauensbildung beitragen. Viertens ist es essentiell, transparent über Ziele und Interessen zu informieren, statt zu manipulieren. Natürlich sollte auch die Angst der Mitarbeitenden nicht durch Dramatisierung verstärkt oder durch Abwiegeln kleingeredet werden. Leider plädieren einige Unternehmensberater dafür, sich die Angst der Betroffenen nutzbar zu machen. Die Grundannahme dahinter: „Wer zu wenig Angst hat, bewegt sich nicht mehr und „verfettet“. Wer zu viel Angst hat, erstarrt und bewegt sich auch nicht mehr.“ Es gelte daher, stets einen „mittleren Angstpegel“ aufrecht zu erhalten. Dieses Menschenbild ist ebenso zynisch wie antiquiert, denn Ängste sorgen lediglich für Vermeidung oder Flucht. Menschen bewegen sich nur freudvoll und effektiv auf Ziele zu, wenn sie von ihren Wünschen angetrieben werden, nicht von ihren Ängsten!

Führungskräfte tun fünftens gut daran, den - moderierten wie informellen - Austausch im Team sowie zwischen den Abteilungen zu fördern. Sachargumente frei und möglichst ergebnisoffen auszutauschen, ist der beste Weg, um einen Konsens zu finden und Ängste abzubauen. Selbst wenn Ziel und Strategie des Change-Prozesses von der Unternehmensspitze vorgegeben werden, können im unmittelbaren Arbeitsbereich der einzelnen Mitarbeitenden bzw. Teams viele Details in gemeinsamer Absprache gestaltet werden. Diese Details sind für die Betroffenen oft von herausragender Bedeutung und entscheiden mit darüber, ob sie die Veränderungen mittragen oder (offen oder verdeckt) boykottieren. Denn nichts baut Ängste wirksamer und nachhaltiger ab, als eine aktive Beteiligung am Veränderungsprozess. Mitarbeiter/innen, die als kompetente Gesprächspartner, Impulsgeber und Bewahrer den Change-Prozess mitgestalten, sind nachweislich während und im Anschluss an den Veränderungsprozess zufriedener und arbeiten effektiver. Dies kommt in jedem Fall dem Betriebsergebnis zugute. Vor allem aber wird so die Unternehmenskultur gestärkt, das Zugehörigkeitsgefühl und (Selbst-) Vertrauen aller Beteiligten wächst. Diese „weichen“ Faktoren entscheiden nicht nur auf umkämpften Märkten zunehmend über den langfristigen Erfolg, sondern sind schlichtweg unbezahlbar.

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August 2017

 

Erlauben Sie sich, einfach mal nicht erreichbar zu sein!

Der Antreiber „Sei immer online“ könnte auch übersetzt werden mit „verpasse nichts“: Verpasse keine wichtigen Kontakte, Informationen, Aufträge...
Für Selbstständige und Führungskräfte sogar ein nachvollziehbarer Gedanke. Da auch von Mitarbeiter/innen immer mehr Unternehmergeist erwartet wird, schwappt dieser Druck auf die meisten Erwerbstätigen über. Als Pressesrecherin einer NGO war ich selbst mit der Erwartung konfrontiert, sieben Tage die Woche per Handy erreichbar zu sein.

Aber der Antreiber wirkt nur, wenn er auch „von innen“ auf Resonanz stößt. Also wenn Sie Angst haben, etwas Wichtiges zu verpassen, sobald Sie für ein paar Stunden, einen Tag oder gar einen Urlaub nicht auf dem Diensthandy erreichbar sind. Diese Angst beruht oft auf realen Erfahrungen. Es ist eine Gratwanderung, sich selbst treu zu bleiben und zugleich den Aufgaben gerecht zu werden. Aber diese Gratwanderung sollte nicht von Angst geprägt sein, sondern von klugen Entscheidungen. Denn Sie können sehr wohl etwas verpassen, wenn Sie stets online sind: Sich selbst, ihre wichtigsten Beziehungen und langfristig Ihre Gesundheit.

Wenn Ihnen „digital Detox“, also zeitweise online-Abstinenz, auch im Urlaub unmöglich erscheint, kann Ihnen ein Coach helfen, diesen Antreiber zu entschärfen.

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Juli 2017

 

Erlauben Sie sich, nicht immer stark und unabhängig zu sein!

Wenn Sie den Antreiber „Sei immer stark“ verinnerlicht haben, fällt es Ihnen wahrscheinlich leichter, Ihre unabhängige Seite wertzuschätzen als Ihre auf Empfang und Kooperation ausgerichteten Antennen. Beide sind jedoch gleich wertvoll und bilden erst zusammen genommen eine reife Persönlichkeit.

Erlauben Sie sich also, auch einmal etwas Arbeit abzugeben, zu delegieren oder sich unterstützen zu lassen, wenn Sie dies bisher vermieden haben. Fällt Ihnen das Loslassen schwer oder haben Sie das Gefühl, sich eine Blöße zu geben, sobald Sie nicht alles selbst stemmen? Dann lohnt es sich, diese inneren Widerstände zu ergründen. Ein Coach kann Sie dabei auf Wunsch begleiten.

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Juni 2017

 

Erlauben Sie sich eine Prise Leichtigkeit!

Haben Sie auch noch den Satz „Streng dich doch mal an“ von Eltern, Lehrern oder Ausbilder im Ohr? Vielleicht meinten sie ja „bleib dran, gib nicht so schnell auf.“ Aber viele Menschen sind mit der Idee aufgewachsen, dass es per se etwas Gutes sei, sich mit zusammengebissenen Zähnen anzustrengen und zu ackern, was das Zeug hält. Wichtiger als Begeisterung für eine Sache oder die eigenen Fähigkeiten kontinuierlich weiter zu entwickeln. Wichtiger auch als ein ausgewogenes Verhältnis von Leistung und Entspannung.

Glauben Sie das (heute) wirklich (noch)? Wenn nicht: Herzlichen Glückwunsch! Trotzdem kann der „Streng-Dich-an-Antreiber noch lange unterbewusst weiter wirken, besonders in Stress-Situationen. Wenn Sie dies merken, können Sie gegensteuern, indem Sie sich die Erlaubnis geben: „Ich darf auch mal die Zügel locker lassen!“ oder „Heute schenke ich mir einen Insel-Tag!“ Schreiben Sie sich diesen Satz irgendwo hin, wo sie ihn immer wieder lesen können. Genießen Sie die Momente der Leichtigkeit!

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Mai 2017

 

Erlauben Sie sich, unvollkommen zu sein!

Lange galt es als chique, ein Perfektionist zu sein: BewerberInnen bekamen den Rat, im Vorstellungsgespräch mit dieser Eigenschaft zu kokettieren oder sie, wenn nötig, zu erfinden. Denn keine andere vermeintliche Schwäche könne man derart elegant als Stärke ausspielen, wie den Hang zum Perfektionismus.

Auch heute gibt es Menschen, die sich stolz und fröhlich als „perfektionistisch“ beschreiben. Bei genauerem Hinsehen stellt sich meist heraus, dass sie eigentlich „sorgfältig“ oder „qualitätsbewusst“ meinen. Sie lehnen es beispielsweise ab, Elektrogeräte zu produzieren, die kurz nach Ablauf der Garantiezeit kaputt gehen, obwohl dies so vermeidbar wie üblich ist. Oder sie können sich nicht damit abfinden, dass im Klinikalltag kaum Zeit für Gespräche mit den Patienten bleibt. Solche qualitätsbewussten Menschen sind wichtig, weil sie den Wert von Mensch und Umwelt gegenüber reiner Gewinnmaximierung hochhalten.

Echte Perfektionisten leiden unter ihrem Perfektionismus. Sie sind in ihrem Selbstwertgefühl erschüttert, wenn ihnen ein Fehler unterläuft. Sie können das Maß ihres Einsatzes nicht frei wählen, sondern sind getrieben von einem inneren Zwang. Dabei schrauben sie ihre Ansprüche stets weiter hoch, so dass es keine ungetrübte Freude über einen Erfolg gibt. Zudem „müssen“ Perfektionisten besser sein als alle anderen. Eine einzige Kritik überschattet ein Dutzend anerkennender Rückmeldungen. Alles dies macht das (Arbeits-) Leben extrem mühsam. Nichts kostet mehr Zeit und Energie als der Antreiber „Sei stets perfekt.“ Die gute Nachricht: Auch dieser Antreiber kann entschäft werden.

„Ein gutes Pferd springt nicht höher, als es muss“. Prüfen Sie also vor Beginn einer Aufgabe, wo die Messlatte liegt. Dann passen Sie Ihre Strategie und Ihren Zeitplan daran an. Wenn Sie feststellen, dass der „Perfekt-Antreiber“ Sie trotzdem fest im Griff hat, zögern Sie nicht, sich Unterstützung zu holen. Ein Coaching kann ein hervorragendes Mittel dafür sein, zu einem gesunden Leistungsmaß zu finden.

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April 2017

 

Stehen Sie zu sich selbst!

Wir erleben gerade eine Gesellschaft der Extreme: Reiche werden immer reicher, Arme werden immer ärmer. Viele fahren ihre Ellenbogen aus und verhalten sich extrem egoistisch bis hin zu roher oder auch subtiler Gewalt. Viele andere verhalten sich extrem duldsam und angepasst. Daher erscheint mir die Erlaubnis: „Stehe zu Dir selbst!“ hoch aktuell: Für das einstehen, was man selbst wichtig findet. Den Mund aufmachen. Gelassen auf beiden Füßen stehen. Das sind hilfreiche Gegenmittel zu dem verbreiteten „Gefalle-immer-den-anderen“-Antreiber.

Stehen Sie nicht nur zu Ihrem Geschmack, sondern beispielsweise auch zu Ihren Werten, Ihren Grenzen oder Ihrem Engagement. Wenn z.B. mehr Arbeit anfällt, als Sie bewältigen können, haben Sie den Mut, dies frühzeitig anzusprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Wenn Sie eine „saloppe“ Bemerkung nicht witzig sondern verletzend finden, zeigen Sie ruhig verbal die „gelbe Karte“. Die meisten Menschen stellen erstaunt fest, dass sie auf diese Weise sogar mehr Respekt ernten als zuvor.

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März 2017

 

Multitasken Sie noch?  Erlauben Sie sich, eins nach dem anderen zu tun!

Kirsten Susanne Andrä hält am 22. März 2017 im Freiburger Innenstadtrathaus einen Vortrag zum Thema: „Multitasken Sie noch oder priorisieren Sie schon?“ für Mitarbeitende der Stadt Freiburg.

Wenn Sie für Ihr Unternehmen an diesem Vortragsthema interessiert sind, wenden Sie sich gerne an die Firma Andrä Coaching, beispielsweise über das Kontaktformular http://www.andrae-coaching.de/kontakt.php. Herzlich willkommen!

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Februar 2017

 

Erlauben Sie sich Ihre Eigenzeit!

Kinder lassen sich eine Menge Zeit, bei allem, was sie tun. Sie bleiben stehen, um in einer Pfütze zu spielen oder eine Katze zu streicheln, statt schnurstracks einem Ziel entgegen zu eilen. Ein Spaziergang mit einem kleinen Kind verlangt den Großen einige Geduld ab. Zugleich lernen Kinder schneller als Erwachsene - und sie lernen besonders effektiv. Die Langsamkeit hat also offensichtlich etwas für sich. Vor allem das kindliche Gemüt profitiert davon, wenn man den Kleinen ihre Eigenzeit lässt. Trends wie Tai Chi und Slow Food sowie Sten Nadolnys Bestseller „Die Entdeckung der Langsamkeit“ bezeugen die Sehnsucht auch vieler Erwachsener nach einem gemächlicheren Tempo. 

Auch wenn die meisten Erwachsenen von einem komplett entschleunigten Lebensstil nur träumen können, ist es doch möglich, sich gelegentlich eine Oase der Langsamkeit zurück zu erobern. Statt sich dem Antreiber „Beeile dich stets“ unterzuordnen, können Sie sich heute zumindest die Erlaubnis geben: „Diese eine Stunde lebe ich nach meinem eigenen Tempo.“ Für Fortgeschrittene und Menschen mit weniger beruflichen und familiären Verpflichtungen lautet die Erlaubnis vielleicht: “Die erste Stunde des Tages und nach Feierabend lebe ich ganz im Einklang mit meinem inneren Rhythmus.“ Die spannende Erkenntnis vieler Menschen ist, dass sie auf diese Weise keinesfalls weniger schaffen, sondern ganz im Gegenteil sogar kreativer sind.

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Januar 2017

 

Erlauben Sie sich eine Dosis „Winterschlaf“!

Besonders, wenn der „Sei immer aktiv-Antreiber“ oder der „Streng-dich-stets-an-Antreiber“ Ihr steter Begleiter ist. Denn in der dunklen Jahreszeit verlangt der Organismus meist nach mehr Schlaf als im Sommer. Auf dieses Bedürfnis einzugehen, ist kein „Luxus“, sondern sinnvoll. Denn im Schlaf regenerieren sich Leib und Seele, die Zellen erneuern sich besonders gut, eine Vielzahl von Hormonen reguliert u.a. Stimmung und Leistungsfähigkeit. 

Hier also die „bärige“ Erlaubnis: „Ich darf mich einkuscheln und heute Nacht 9 Stunden „Winterschlaf“ halten.“ - Oder auch mehr, denn wer sollte Ihnen das verwehren?

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Dezember 2016

 

Kirsten Susanne Andrä hielt Vortrag „Gesund am Arbeitsplatz“

Unter dem Motto: „Gesund am Arbeitsplatz, was kann jede/r Einzelne dafür tun?“ inspirierte Coach und Stressmanagement-Expertin Kirsten Susanne Andrä bei der jährlichen Personalversammlung am Mittwoch, 30. November 2016, rund 250 Mitarbeiter/innen des Landratsamts Emmendingen mit Praxistipps und vielen Beispielen. 

Drei Aspekte standen im Zentrum des Impulsvortrags: Gesund bleiben durch konstruktive Gedanken. Gesund bleiben durch sinnvolle Arbeitsorganisation. Gesund bleiben durch wertschätzende Kommunikation. Ein besonderes Anliegen im Bereich Arbeitsorganisation ist Kirsten S. Andrä die Frage: „Multitasken Sie noch oder priorisieren Sie schon?“ Denn inzwischen sei wissenschaftlich erwiesen, dass der Versuch, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, nur Nachteile habe: „Multitasking ist weder effizient noch effektiv. Die gleiche Arbeit dauert sogar länger. Fehler häufen sich und werden zu spät erkannt. Auf Dauer lässt die Konzentrationsfähigkeit ebenso nach wie die essenzielle Fähigkeit, Prioritäten zu setzen. Zu allem Übel steigt auch noch das Risiko für schwerwiegende Stress-Erkrankungen wie Burnout,“ so die Expertin für gesunde Arbeitsorganisation.

„Kennen Sie Menschen, die keine Pausen machen und nur im Laufschritt spazieren gehen können? Haben Sie Kollegen, die auch unwichtige Mails zwei Mal Korrektur lesen? Haben Sie es schon öfter nicht übers Herz gebracht, einen Gefallen auszuschlagen, obwohl Sie gerade selbst enorm unter Zeitdruck standen?“ fragte die Referentin das Publikum. Anschließend verriet sie, wie die dahinter steckenden „Antreiber“ mit den treffenden Namen „Beeile-dich-immer“, „Sei-immer-perfekt“ und „Gefalle-stets-den-anderen“ entschärft werden können. Ausserdem sprach Kirsten S. Andrä die Themen „Bewegung“, „Selbstwertschätzung“, „Achtsamkeit“ und „Grenzen setzen“ an. Abschließend gab die Referentin, die auch Changemanagement-Prozesse begleitet, Tipps aus der Praxis, wie Mitarbeiter-Jahresgespräche optimal vorbereitet und gestaltet werden können.

Andrä Coaching begleitet seit über 10 Jahren Menschen und Organisationen schwerpunktmäßig in den Bereichen Betriebliches Gesundheitsmanagement, Stressmanagement, gesunde Führung und wertschätzende Kommunikation. Gerne können Sie den Vortrag „Gesund am Arbeitsplatz“ für Ihre Firma oder Organisation buchen. 

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November 2016

 

Heben Sie Ihre Laune mit Vitamin D

In der dunklen Jahreszeit sinkt bei vielen Menschen die Stimmung. Dies hat nichts mit seelischer Labilität zu tun, sondern ist oft ein Hilferuf des Körpers. Denn bekommen wir zu wenig Sonnenlicht auf die Haut, kann der Körper nicht ausreichend oder gar kein Vitamin-D bilden. Damit fehlt uns ein Multitalent, das nicht nur die Knochen und das Immunsystem stärkt, sondern beispielsweise auch für guten Schlaf und gute Stimmung unerlässlich ist.

Daher empfehlen viele Ärzte, den Vitamin-D-Spiegel im Herbst bestimmen zu lassen und nach Bedarf, etwa von November bis März / April, Vitamin D3 als Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Wer sich allein aus der Nahrung mit den für Erwachsene empfohlenen rund 1000 internationale Einheiten (IE) Vitamin-D pro Tag versorgen will, müsste täglich reichlich fetten Seefisch oder Innereien oder acht bis neun Hühnereier verzehren. Da Vitamin D auch überdosiert werden kann, sollte die durchschnittliche empfohlene Tagesdosis nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt überschritten werden.

Damit Vitamin D wirken kann, darf allerdings auch das Stresshormon Cortisol nicht in zu hoher Konzentration im Körper zirkulieren, weil Cortisol die Vitamin-D-Rezeptoren hemmt. Gönnen Sie sich daher genügend Entspannung, Bewegung und reichlich Schlaf, um Stress abzubauen. Dann sinkt Ihr Cortisolspiegel und das „Stimmungsvitamin“ kann wie vorgesehen „andocken“. In der Zeit von Mitternacht bis vier Uhr morgens ist der Cortisolspiegel normalerweise am niedrigsten und das Vitamin-D kann somit optimal wirken. Es ist also wichtig, vor allem in diesem Zeitraum für ungestörten Schlaf zu sorgen. Sonst sinkt der Cortisolspiegel nicht genügend ab und Ihr „Gute-Laune-Vitamin-D“ läuft quasi ins Leere.

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Oktober 2016

Mut tut gut!

Im September ging es um das „Nachrichten-Fasten“. Wer den Monat September genutzt hat, um seinen Nachrichtenkonsum schrittweise zu reduzieren, wird, auch wenn es Rückschläge gab, viel über sich gelernt haben und sich vermutlich bereits besser fühlen.

Wer tiefer schauen möchte, kann überlegen, welche Bedürfnisse hinter dem Nachrichtenkonsum stecken. Will ich meine Neugierde stillen? Mich als Teil einer Gemeinschaft empfinden? Mir vor Augen halten, dass es mir trotz allem vergleichsweise gut geht? Alle diese und viele weitere Bedürfnisse können auch anders gestillt werden als mit permanentem Nachrichtenkonsum. Neugierde lässt sich beispielsweise in Wissensdurst übersetzen, der durch die Begegnung und das Gespräch mit interessanten Menschen, ein gutes Buch oder einen Ausflug in einen unbekannten Stadtteil gestillt werden kann. Gemeinschaftsgefühl entsteht durch gemeinsame Erlebnisse und gegenseitige Hilfe in der Familie, im Freundeskreis oder in der Nachbarschaft. Und woran merkt man, wie gut es einem in vieler Hinsicht geht? Beispielsweise indem man ein Tagebuch führt, das täglich die drei oder fünf schönsten Erlebnisse stichpunktartig festhält. Werden Sie kreativ!

Wer Nachrichtenthemen zudem gezielt auswählt, alles Unwichtige verwirft und zu den wichtigsten Themen Berichte verschiedener Experten, die lange vor Ort bzw. in der Branche tätig waren, vergleicht, ist außerdem viel besser im Bilde und vor allem urteilsfähiger als ein passiver Rundum-Konsument.

Wie findet man aber die wirklichen Experten zwischen all den Prahlern, einseitigen Lobbyisten und, mit Verlaub, Lügnern?

Ein schwieriges Unterfangen, das immer auch anfällig ist für Irrtum, aber nicht aussichtslos.

Ein paar Tipps dazu:

Wirkliche Experten

  • bluffen nicht und sagen auch einmal „das weiß ich nicht“

  • sind fähig zur Selbstkritik, geben frühere Fehleinschätzungen offen zu

  • berichten möglichst objektiv und ausgewogen, indem sie auch die Gegenargumente nennen

  • bemühen sich um sachliche Beschreibungen, statt plakative Urteile zu fällen

  • sprechen mit allen, die das Gespräch suchen, verweigern keinem prinzipiell den Dialog

  • hören aktiv zu

  • fragen nach, wenn sie etwas nicht verstehen oder wenn die Antwort (vermutlich) für die Zuschauer unverständlich war

  • lassen Ausweichmanöver, Lügen oder Halbwahrheiten ihres Gegenübers nicht durchgehen, sondern konfrontieren diese auf angemessene Weise

  • gönnen sich Denkpausen, statt grundsätzlich „wie aus der Pistole geschossen“ zu antworten

  • sprechen authentisch, meiden leere Worthülsen

Ich habe mir angewöhnt, die aus meiner Sicht wichtigsten aktuellen Themen zu definieren und das Übrige so weit wie möglich auszublenden. Damit ich in die Tiefe gehen kann. Damit auch noch Zeit für Schönes bleibt.

Vor allem aber: Dosiert informiert bleibt auch noch Zeit und Energie übrig, um der einen oder anderen Information eine Handlung folgen zu lassen, beispielsweise eine Petition zu unterschreiben oder selbst zu initieren, einen Leserbrief zu verfassen oder eine E-Mail an einen Politiker des eigenen Wahlkreises oder an die Bundeskanzlerin zu senden. Denn Mut tut gut.

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September 2016

 

„Nachrichtenfasten“ entspannt

Wer mitfühlen kann, wurde durch die Nachrichten schon immer gestresst bis schockiert: Umweltzerstörung, Kriege und Hunger bestimmten das Bild seit der Erfindung des Fernsehens. Doch heute schwappt diese Nachrichtenflut nicht mehr für eine halbe Stunde nach dem Abendessen in unser Wohnzimmer sondern ganztägig in unser Bewusstsein.

 Viele Menschen lassen sich bereits vor der ersten Tasse Kaffee am Morgen Blutlachen und Tränen aus aller Welt servieren, unterbrechen ihre Arbeit regelmäßig per Klick auf die aktuellen Meldungen und schlafen am Ende des Tages neben dem Gerät, das ihnen den Terror frei Haus lieferte, ein. Gestörter Schlaf, Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme und andere stressbedingte Beschwerden sind oft die Folge. Das gewohnheitsmäßige Viertel Wein zum Feierabend spült die depressive Verstimmung herunter, die sich ebenfalls häufig breit macht.

 Man muss nicht so weit gehen, wie Rolf Dobelli in seinem Essay empfiehlt, die Nachrichten komplett aus dem eigenen Leben zu verbannen. Es reicht aus, Zeiten und Medien klug auszuwählen und regelmäßige Phasen des „Nachrichtenfastens“ einzulegen.

 Beispielsweise am Morgen, wenn der Geist noch besonders sensibel ist und sich auf den Tag vorbereitet, sind Nachrichten für die meisten Menschen „Gift“. Besonders schlecht verdaulich sind sie zudem während des Essens. In Konzentrationsphasen, beispielsweise bei der Arbeit, stören sie massiv den Gedankenfluss. Auch die Stunde vor dem Schlafengehen ist besonders sensibel - denn die letzten Eindrücke des Tages wirken sich stark auf die Schlafqualität aus.

Viele Menschen erleben eine Nachrichtenabstinenz im Urlaub und an einem Tag in der Woche, beispielsweise am Sonntag, außerdem als äußerst erholsam. Wer auf den Geschmack gekommen ist, schaltet meist auch während des Zusammenseins mit Familie oder Freunden die Geräte aus. So entstehen Freiräume für Muße, Gedankenaustausch und engagierte Diskussionen.

 Da Nachrichtenkonsum leicht zur Sucht werden kann, ist es oft nicht einfach, sich von jetzt auf gleich bewusst zu steuern. Es hilft, in kleinen Schritten vorzugehen: Beispielsweise in der ersten Woche nur darauf zu achten, die Zeit bis nach dem Frühstück nachrichtenfrei zu halten. In der zweiten Woche kommen dann die Arbeitszeiten oder die Zeit vor dem Schlafengehen hinzu etc.

 Am besten klappt dies, wenn man zu diesen Zeiten nicht nur die Nachrichten weglässt, sondern bewusst etwas anderes tut. Ein Morgenritual könnte beispielsweise sein, auf dem Balkon ein paar bewusste Atemzüge zu nehmen, die Lieblings-Musik-CD aufzulegen und bei passender Laune mitzusingen, die Dusche oder das Frühstück mit allen Sinnen zu genießen oder mit der Familie ein gemeinsames kleines Ritual zu erfinden.

 Sie werden merken, wie gut Ihnen diese Umstellung tut! Körper, Geist und Seele erholen sich. Sie gewinnen Zeit für sich. Durch den Abstand können Ängste abnehmen und positive Gedanken wieder Raum gewinnen. Sie werden produktiver, weil viele Unterbrechungen wegfallen. In dem Maße, wie sie Ihre Eigensteuerung wieder gewinnen, wächst Ihr Selbstbewusstsein. Durch Zeiten der Stille vertiefen sich Intuition und Lebensfreude.

 Im Oktober können Sie an dieser Stelle weiter lesen. Dann geht es um die kluge Auswahl von Nachrichten und um die Befreiung aus der Passivitätsfalle.

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August 2016

Endlich Urlaub!

Doch leider ist oft gerade „die schönste Zeit des Jahres“ ganz schön stressig: Stau auf den Straßen, riesige Erwartungen, die nicht selten innerhalb der Familie oder Reisegruppe weit auseinandergehn – und der Kopf braucht oft lange, um auf „Entspannungsmodus“ umzuschalten. Mir helfen folgende Tricks, um den Urlaub entspannt anzugehen und von Anfang an zu genießen:

  • Eine persönliche Packliste für jede vorkommende Urlaubsart in petto haben hilft, entspannt zu packen, nichts Wichtiges zu vergessen und macht last-minute-Rennereien überflüssig.

  • Der Zug, vor allem der Schlafwagen im Nachtzug, ist komfortabel und hilft, entspannt und ausgeschlafen am Urlaubsziel anzukommen. Frühzeitig gebucht, kann man so auch recht preiswert und zudem ökologisch reisen.

  • Erwartungen rechtzeitig vorher klären und mit allen Mitreisenden abstimmen vermeidet Stress und Streit vor Ort.

  • Ich genieße es, wann immer möglich, mich vorab mental auf den Urlaub einzustimmen. Das können Bilder sein, Musik, ein bestimmter Duft, ein Reiseführer oder eine urlaubstypische Aktivität, die ich ein paar Tage oder Wochen vorher „einschleiche“. So kann ein Wanderurlaub beispielsweise mit kurzen Wanderungen nach Feierabend ein bis zweimal pro Woche und einer längeren Tour am Wochenende vorbereitet werden oder ein Frankreichurlaub mit heimischer französischer Küche und Chansons. Die Erfahrung zeigt: So ist das Urlaubsfeeling vor Ort viel schneller da!

  • Um den Kopf wirklich frei zu bekommen, schalte ich den Abwesenheitsassistenten meines E-Mail-Programms ein und lasse das Handy zu Hause oder zumindest ausgeschaltet.

Ich wünsche Ihnen einen schönen, erholsamen Urlaub!

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Juli 2016

Auf die Balance kommt es an

Der Mensch befindet sich in einem Spannungsfeld gegensätzlicher Bedürfnisse. Ein solches Bedürfnispaar ist der Wunsch nach Kontinuität, Sicherheit und Verlässlichkeit einerseits und der nach Abwechslung, Anregung und Entwicklung andererseits. Auf die Balance zwischen den beiden Polen kommt es an!

Wer sich allzu sehr einrichtet in stets gleichen Abläufen, kann in Langeweile versinken und verkümmern. Wer hingegen täglich „das Rad neu erfindet“, keinen Rhythmus und keine verlässlichen Beziehungen pflegt oder kein Zuhause hat erschöpft sich oft schnell.

Tipp: Schauen Sie einmal, ob Ihre Balance noch stimmt. Falls nicht: Zu welchem der beiden Extreme neigen Sie?

Ein erster Schritt für „Sicherheitsmenschen“ könnte sein, einmal bewusst etwas zu tun, was Sie noch nie getan haben: Einem fremden Menschen auf der Straße „einfach so“ ein nettes Kompliment machen, einen neuen Stadtteil oder ein Stück unbekannte Natur erkunden, einen Nachbarn zum Tee einladen, ein Dessert kreieren, einen Witz erfinden, nach einem Vortrag dem Referenten spontan eine Frage stellen, allein in der Wohnung tanzen, den heimischen Kirchturm besteigen, mit dem Rad zur Arbeit fahren, die Zähne von rechts nach links oder linkshändig putzen usw. Der bevorstehende Urlaub bietet sich dafür vielleicht besonders an.

„Abwechslungstypen“ hingegen könnten sich ein Ritual zulegen, das ihnen gut tut. Beispielsweise jeden Morgen nach dem Aufwachen ein paar bewusste Atemzüge nehmen, während des Essens nichts parallel tun (also z.B. nicht telefonieren oder Zeitung lesen), jeden Abend vor dem Schlafengehen ein Lieblings-Musikstück hören oder regelmäßig mit einem Lieblingsmenschen treffen: Egal ob Sie ein Mal in der Woche einen Paarabend oder alle 14 Tage einen Freundinnen- oder Kumpelsabend einplanen – die Qualität der gemeinsamen Zeit und die Regelmäßigkeit machts´s!

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Juni 2016

 

Die Qualität unserer Arbeit zeigt sich oft erst mit etwas Abstand

Im Frühjahr habe ich einen Raum verputzt und lasiert. Diese Tätigkeit wurde mir zu einem Gleichnis für Arbeit insgesamt: So lange der Kalkputz noch nass ist, deckt er nicht. Die Wand sieht fürchterlich fleckig aus, der Untergrund scheint hindurch und man kann nicht erkennen, ob das Gesamtergebnis gelungen ist. Erst nach dem Trocknen erscheint die schöne Struktur, weiße Farbe und warme Anmutung des Naturmaterials. Es mag immer noch weit entfernt von perfekt sein. Aber kein Vergleich zu der Wand, die vor ein paar Stunden noch aussah, als hätte sie einen Wasserschaden erlitten. Mit jedem Lasuranstrich wiederholte sich die Odyssee: Hinter dem sonnigen Gelbton kamen erneut graue Flecken zum Vorschein, die scheinbar aufgrund der hinzugefügten Feuchtigkeit aus dem Putz hervortraten. Es war jedesmal eine (von Mal zu Mal kleiner werdende) Zitterpartie, ob das Grau mit dem Trocknen wieder verschwindet.

Genauso ist es mit vielen Arbeiten: Wir erkennen, während wir tätig sind, noch nicht die Qualität unseres Tuns. Erst mit etwas zeitlichem Abstand tritt die Wirkung hervor. Das Ergebnis mag keine, kleine oder größere Schwächen aufweisen, je nachdem, ob wir unsere Profession ausüben oder Amateure sind - und ich bin wahrlich kein Gipser! Aber wenn wir mit Liebe und Sorgfalt bei der Sache sind, wird in jedem Fall „ziemlich viel ziemlich schön“ heraus kommen, wie der Chorleiter in dem Film „Wie im Himmel“ es formulierte.
Je mehr Erfahrung wir sammeln, desto mehr wächst das Selbstbewusstsein. Tun ist daher wesentlich wirkungsvoller als z.B. Visualisierungen oder Affirmationen, wenn es darum geht, Selbstwirksamkeit und Selbstbewusstsein aufzubauen. Ich wünsche Ihnen frischen Mut zum Tun!

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Mai 2016

Alles neu macht der Mai?

Wer für das neue Jahr „gute Vorsätze“ geschmiedet hat, stellt oft bereits im Februar fest, dass diese schnell versanden können. Vor allem wenn es darum geht, „gesünder“ zu leben. Das kann daran liegen, dass das Anliegen nicht konkret genug formuliert wurde. Oder daran, dass zwei oder sogar viele Vorsätze zugleich gefasst wurden. Damit ist der Mensch meist überfordert. Wenn Sie etwas verändern wollen, konzentrieren Sie sich besser auf EINE Sache!

Der Mai ist ein guter Zeitpunkt, um solch einen Vorsatz aufzufrischen: Das vermehrte Tageslicht, die frühlingshaften Temperaturen und die dadurch ausgelösten Hormone verleihen Energie. Also: Worauf wollen Sie hinaus?

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April 2016

Mit allen Sinnen genießen

Genuss ist ein perfekter Gegenspieler von Stress. Auch ist Genießen kinderleicht: Bereits Säuglinge glucksen oder lachen, wenn sie in entspannter Atmosphäre kuscheln oder etwas Interessantes entdecken. Leider kommt vielen Menschen diese elementare Fähigkeit im Laufe des Lebens (teilweise) abhanden.

Gründe dafür sind unter anderem negative Selbstbilder, Zeitdruck, verinnerlichte Verbote und Gebote wie beispielsweise: „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“ Absolut gesetzt bedeutet dies nämlich, dass nie Zeit für eine Pause ist. Zu einer Zeit, in der nach Sonnenuntergang kein Licht zum Arbeiten mehr vorhanden und die To-Do-Liste endlich war, war dieser Spruch sicher noch sinnvoll. Chronische „Auf-die-lange-Bank-Schieber“ können auch heute noch davon profitieren. Alle anderen tun wahrscheinlich besser daran, solche „Weisheiten“ aus ihrem Repertoire zu streichen.

Welche Jahreszeit würde sich besser zum Genießen eignen als der Frühling? Einfach wieder einmal barfuß durch das taunasse Gras laufen, die Blütendüfte tief einatmen, die vielen verschiedenen Grüntöne im Garten, Park oder Wald wahrnehmen, den Amseln lauschen, den ersten Spargel und später die Erdbeeren frisch vom Feld genießen...

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März 2016

 

Mit dem Erfolgstagebuch auf Erfolskurs

Stress ist, stets vor allem die kleinen Fehler und Mißerfolge im Blick zu haben. Immer wieder erstaunt es mich, wie viele Menschen Großartiges leisten und sich dennoch klein fühlen. Nun will ich nicht zur Arroganz einladen. Wohl aber zu einem freundlichen Blick auf die eigenen Stärken und Erfolge.

Tipp: Wie wäre es, wenn Sie sich einmal so betrachten, als beobachteten Sie Ihren besten Freund oder Ihre beste Freundin? Damit das Ergebnis nicht gleich wieder verblasst, schreiben Sie es doch einfach auf. Am besten in ein kleines, hübsch gebundenes Buch, das Sie in Ihrer Laptop- oder Handtasche mitnehmen können. Wenn Sie abends mit dem Zug nach Hause fahren, können Sie die Zeit nutzen und Ihren schönsten Tageserfolg eintragen.

Denken Sie dabei nicht nur an die gelungene Präsentation vor 100 Zuhörern, den neu akquirierten Großkunden oder die erfolgreiche Gehaltsverhandlung. Vielleicht hatten Sie ein gutes Gespräch beim Mittagessen? Vielleicht ist es Ihnen gelungen, im Meeting Ihren Standpunkt besonders souverän zu vertreten? Einen Konflikt in der Kaffeeküche charmant zu entschärfen? Oder Sie haben es endlich einmal geschafft, eine Zusatzaufgabe, die gar nicht in Ihren Bereich fällt, konsequent abzulehnen? Ihr Erfolgstagebuch wird Sie in stressigen Zeiten ermutigen und entspannen.

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Februar 2016

 

Kluger Kaffeegenuss ohne Reue

Kaffee ist ein Genussmittel mit vielfältigen Wirkungen: Der beliebte "Wachmacher" regt nicht nur Kreislauf, Gehirn und Nervensystem an, sondern veranlasst den Körper auch, das Hormon Adrenalin freizusetzen. Adrenalin ist ein "Stresshormon", das wiederum für eine Kettenreaktion im Körper sorgt. Diese ist bei akutem Stress angemessen und hilfreich für den Organismus.

Trinken Sie jedoch regelmäßig mehrere Tassen starken Kaffee pro Tag, wirkt dies ähnlich wie Dauerstress.  Auch die wachmachende Wirkung nimmt dann ab. Sie benötigen so immer höhere Dosierungen des Coffeins, um den gewohnten "Kick" zu erreichen. Ein Teufelskreis kann in Gang kommen.

Tipp: Setzen Sie Kaffee als Genussmittel gezielt und dosiert ein. Die beste Kaffeezeit ist aus Stressmanagement-Perspektive die Zeit kurz vor Ihrem natürlichen Leistungshoch. Besonders dann, wenn Sie sehr anspruchsvolle Aufgaben vor sich haben. 

Ungünstig ist es dagegen, ein Leistungstief mit Kaffee "auszuhebeln". Beispielsweise nach dem Mittagessen. Denn damit bringen Sie Ihren Körper um die notwendige Ruhephase. Sie können dann zwar ohne einen "Hänger" durcharbeiten. Der Preis dafür ist allerdings, dass das zweite natürliche Tageshoch am Nachmittag sich nicht voll entfalten kann. Außerdem riskieren Sie auf Dauer sogar mehr Müdigkeit. Im Extremfall kann dies bis zur Erschöpfung führen. Für mich ist die Tasse Kaffee nach dem Mittagessen zu einer seltenen und bewußten Ausnahme geworden. Wenn Sie nach dem Essen besonders große Lust auf Kaffee haben, könnte die entcoffeinierte Variante eine gute Lösung sein.

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Januar 2016

 

Schneller Energiekick

Ob kurz vor einem wichtigen Meeting oder einer entscheidenden Verhandlung - manchmal kann man einfach eine Extraportion Energie gebrauchen. Die gute Nachricht: Das ist möglich, auch ohne schädliche Nebenwirkungen oder Suchtgefahr. Sogar zusätzliche gesundheitliche Vorteile sind damit verbunden:  Etwa ein wachsendes Lungenvolumen oder eine sanfte Massage innerer Organe.

Das Geheimnis: Eine einfache Atemtechnik, die ich "Blasebalgatem" nenne. Diese funktioniert so: Stellen Sie sich entspannt hin, am besten am offenen Fenster oder draußen an der frischen Luft. Die Knie sind locker. Dann atmen Sie kurz, kräftig und betont aus. Den Einatem lassen Sie einfach von selbst wieder einströmen. Dann kommt der nächste kräftige und hörbare Ausatem. Dabei zieht sich der Bauchnabel deutlich nach innen. Beim entspannten Einatem wölbt sich der Bauch automatisch wieder vor. Den Einatem brauchen Sie nicht beachten, er geschieht von allein. Konzentrieren Sie sich nur auf das stoßweise Ausatmen. Sollte Ihnen anfangs dabei etwas schwindlig werden, beenden Sie einfach sanft die Übung. Mit der Zeit wird Ihr Gehirn sich an diese "Sauerstoffdusche" gewöhnen und das Schwindelgefühl verliert sich. Hören Sie auf Ihren Körper. Die Übung sollte sich gut anfühlen! Wichtig: Haben Sie stark erhöhten Blutdruck, Asthma oder eine andere Erkrankung, deretwegen Sie unsicher sind, ob diese Übung für Sie geeignet ist, sprechen Sie bitte vorab mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

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Dezember 2015

Die Vorweihnachtszeit ist für viele Menschen die stressigste Zeit des Jahres: Projektabschluss, Geschenkemarathon, Weihnachtsfeiern im Betrieb und in jedem Verein, Hausputz und Plätzchenbacken...

Wie soll man da zur Ruhe finden?

Tipp: Sprechen Sie mit Ihrer Familie, was Ihnen individuell und gemeinsam am Wichtigsten ist.  Womit machen Sie einander wirklich eine Freude? Was kann getrost ausfallen? Wie wäre es, wenn Sie einander diesmal wirklich nur eine Kleinigkeit schenken und als "großes Geschenk" den gemeinsamen Winterurlaub oder die Mußetage daheim und in der Umgebung definieren? Zeit, die Sie mit Ihren Lieblingsaktivitäten füllen. Jeder ist mal dran und entscheidet. Nach dem Motto: Das Leben ist - zumindest zwischen den Jahren - doch ein Wunschkonzert!

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November 2015

Die dunkle Jahreszeit beginnt. Sie bringt viel Schönes mit sich: Kerzenlicht, Sauna, Bratäpfel und Ausschlafen ohne schlechtes Gewissen beispielsweise. Aber viele Menschen leiden auch unter dem Lichtmangel. Es kann ein Stressfaktor für Körper und Gemüt sein, im Dunkeln aus dem Haus zu gehen und im Dunkeln abends wieder heim zu kommen. Ausgleich schaffen ist jedoch möglich.

Tipps: Gehen Sie in der Mittagspause an die Luft und tanken Sie Tageslicht, wann immer Sie es einrichten können! Auch wenn Sie dann abends etwas länger arbeiten - es lohnt sich! Zweitens kann Johanniskrauttee helfen: Er macht die Haut durchlässiger für Sonnenlicht und hilft so, aus "weniger" mehr zu machen. Drittens können Tageslichtlampen am Arbeitsplatz oder zu Hause den Lichtmangel ausgleichen helfen. Es gibt viele unterschiedliche Modelle mit und ohne UV-Strahlung. Eine Beratung im Fachhandel ist daher sinnvoll.

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Oktober 2015

Wenn Sie schnell einen emotionalen Anker brauchen oder sich mental zentrieren möchten, versuchen Sie es doch einmal mit diesem erstaunlich einfachen "Trick":

Vorbereitung: Legen Sie Ihre Hände flach auf die Oberschenkel. Die Handflächen zeigen nach unten.

Die Übung: Umfassen Sie mit allen Fingern der rechten Hand Ihren linken Zeigefinger.  Der untere Teil des rechten Daumens liegt dabei unter dem Zeigefinger-Grundgelenk. die anderen vier rechten Finger umschließen den linken Zeigefinger von oben. Halten Sie Ihren Zeigefinger so auf sanfte Weise komplett umschlossen. Schließen Sie gerne die Augen.  Bewusstes Atmen unterstützt diese Übung. Spüren Sie in sich hinein. Nach einer Weile können Sie die Finger tauschen: Nun halten Sie den rechten Zeigefinger mit der linken Hand. Bei vielen Menschen stellt sich schon nach kurzer Zeit ein Gefühl von Ruhe und / oder geistiger Klarheit ein, wenn sie diese Übung aus dem Jin Shin Jyutsu praktizieren.

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September 2015

Neigen Sie dazu, Kritik oder andere Ereignisse persönlich zu nehmen? Auch dann, wenn sie gar nicht persönlich gemeint sind? Aus vielen Gesprächen, Seminaren und Coachings weiss ich, dass Sie damit absolut nicht allein sind. Und auch, dass diese Empfindlichkeit ganz oder teilweise wieder abgelegt werden kann. So lebt es sich viel leichter und entspannter. Der Weg dorthin ist teilweise natürlich recht individuell. Am besten läßt sich dies in einem Einzelcoaching von zwei bis drei Sitzungen klären. Die Zeit dazwischen dient der Übung im Alltag. Aber es gibt auch allgemeine Hilfen.

Tipp: Hintergrund des Problems ist oft eine persönliche Unsicherheit: "Bin ich gut genug?" Um diesbezüglich mehr Sicherheit zu bekommen, kann es z.B. hilfreich sein, sich aktiv Feedback einzuholen. Bitten Sie doch einmal eine gute Freundin / einen guten Freund, Ihren Partner / Ihre Frau und vielleicht auch eine Kollegin oder einen Kollegen Ihres Vertrauens um ein persönliches Feedback zu Ihren Stärken. Am besten schriftlich.

Manchen Menschen fällt es leichter, diese Bitte zu äußern, wenn sie im Tausch ein ebensolches Feedback anbieten. Sie werden staunen, was auf dieser Liste so alles zusammen kommt! Manche Menschen hüten dieses Feedback wie einen Schatz. Vor und bei wichtigen Auftritten ist dieser Zettel ein guter Begleiter. In der Handtasche oder im Jackett verwahrt, vermittelt die Positivliste Selbstvertrauen und Sicherheit.

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Februar 2015

Mit inneren Bildern die Motivationquellen aktivieren

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Neujahrsvorsätze oft spätestens im Februar verpuffen? Warum gibt es Dinge, die wir „eigentlich“ tun wollen, aber zu denen wir uns nicht nachhaltig motivieren können? Ob es nun der regelmäßige Sport ist oder mehr Gemüse auf dem Teller, mehr Durchsetzungskraft oder mehr Gelassenheit entwickeln – scheitert das Projekt „Alles-wird-neu“ regelmäßig an einem Mangel an Willenskraft, an den widrigen Umständen oder doch an etwas ganz Anderem?

gute Vorsätze

Was kann die Vernunft leisten?

Der schottische Philosoph David Hume hatte dazu bereits vor über 200 Jahren eine interessante These. Sie lautet, vereinfacht gesagt: „Vernunftsgründe allein können nicht motivieren.“ Hoppla, wenn nicht die Vernunft, was bitte schön motiviert uns dann? Ganz einfach, meint Hume: Es sind die Emotionen, die uns nachhaltig eine bestimmte Richtung ansteuern lassen. Der Verstand spricht dann lediglich noch ein paar Takte zur Feinjustierung der Strecke zwischen Startpunkt und Ziel mit.

Was wirklich motiviert

Wenn Sie sich beispielsweise vorgenommen haben, aus gesundheitlichen Gründen regelmäßig Sport zu treiben, genügt es also laut Hume nicht, sich die Vorzüge eines schlankeren und fitteren Körpers oder die Nachteile des statischen Lebensstils rational zu vergegenwärtigen. Die Motivationszentrale im Gehirn scheint sich für Blutwerte, Arterien und selbst eine statistisch verkürzte Lebenserwartung nicht sonderlich zu interessieren. Sie wird vielmehr von einem sehr einfachen Belohnungssystem gesteuert, das sich auf genau zwei Dinge versteht: Lust und Unlust.

Die Kunst der Übersetzung

Die Frage ist also: Wie spreche ich so mit dem Motivationssystem meines Gehirns, dass es mich versteht? Mit anderen Worten: Wie übersetze ich meine klugen Vernunftsgründe in seine emotionale Sprache von Lust und Unlust? Die Antwort ist überraschend einfach: Indem ich Bilder kreiere. Denn das Gehirn denkt in Bildern. Diese Blder, emotional aufgeladen, motivieren.

Innere Bilder und Emotionen

Wenn ich mir also mit Freude und Begeisterung vorstelle, wie es ist, fit und gesund zu sein, bekommt das Belohnungssystem einen Hormonschub. Das Motivationssystem springt an. Wichtig ist dabei, mir vorzustellen, dass ich dieses Ziel bereits jetzt erreicht habe. Gedanklich nehme ich also die Zukunft vorweg: Hier und jetzt bin ich schlank, beweglich, ausdauernd und kräftig. Ist die Vorstellung konkret genug, wird sich meist fast von selbst ein freudiges Gefühl einstellen. Dieses Gefühl gilt es dann, bewusst zu vertiefen und zu „verankern“. Stelle ich mir nun wiederholt und mit allen Sinnen vor, wie genußvoll ich im trainierten Zustand beispielsweise einen Berg erklimme, wie energievoll ich die tägliche Arbeit erledige und was ich an meinem (gesunden) Lebensabend alles genießen werde, festigt sich diese Motivation von Mal zu Mal. Je öfter diese angenehmen emotionalen Vorstellungen mit kleinen Trainingsschritten verknüpft werden, desto fester verdrahtet sich das Projekt im Motivationshirn.

Das Ziel ist der Weg

Der Organismus „weiss“ nun, wohin die Reise geht und setzt alles daran, dieses Ziel in die Realität umzusetzen. Die Lust auf Bewegung wächst mit jeder Vorstellung und mit jedem Erfolgserlebnis. Wenn David Hume Recht hat, ist es also nicht mangelnder Willenskraft und auch nicht widrigen Umständen geschuldet, wenn die Motivation bisher nicht so recht in Schwung kam. Vielmehr liegt die größte Motivationskraft bisher bei vielen Menschen weitgehend brach: Die Kraft der Emotionen.

Viel Freude bei der Umsetzung wünscht Ihnen

Kirsten Susanne Andrä



Februar 2015: Die Kraft der Auszeit

März 2015: Die Kraft des Atems

März 2015: Die Kraft der Gedanken

März 2015: Die Kraft des Netzwerks

März 2015: Die Kraft des Rhythmus